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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 19. 1. [1898]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [20. 1. 1898 – 24. 1. 1898?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3168
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.177 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »98« vermerkt
2) mit rotem Buntstift fünf Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 19. 1. [1898]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02836.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02836«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 19. 1. 1898

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 19. 1. [1898]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour. Paris, 19. Januar.
Bureau à Paris

Mein lieber Freund,

Ich kann Dir nur in aller Kürze für Deinen lieben Brief danken; denn ich habe unmenschlich viel zu thun.
Mein Schwager hat die verrückte Idee gehabt, ich könnte Schlenthers Nachfolger bei der Vossischen Ztg. werden, und ich glaube, man hat sogar Dich in der Angelegenheit belästigt. Sei nicht böse deßwegen!
Von meinen Projecten für die nächste Zukunft steht die Reise nach China im Vordergrund. Es wäre gar herrlich, in Wien wieder mit Euch zu leben. Aber denke an den Sumpf des Wiener Journalismus. |Was soll ich da machen? Was kann ich dort werden? Das ist ein Boden, auf welchem Sumpfplanzen wie Bahr gedeihen, nicht ich. Da heißt es, seine Sehnsucht bezwingen und stark sein.
Ich lernte hier den Prof. Singer kennen. Braver Mann. Aber durchaus unkünstlerisch und auch unpersönlich; ist ganz von Kanner hypnotisirt; und isschon sehr »Zeitungs-Herausgeber«, welcher durchdrungen davon ist, daß die »Zeit« Österreich und auch ein wenig die Welt regiert.
Wie stehts mit »Freiwild« und Deinem neuen Stück? Schlenthers Amtsantritt ändert natürlich nichts an der Thatsache, daß Dein Stück bald gespielt wird? . . . . . 
|Mit dem kleinen Fräulein in Prag hat die Sache ein jähes Ende genommen. Ich bekam ihre Photographie. Ich war gerade sehr einsam und das Bild war sehr lieb. Das ging mir tief zu Herzen, und ich machte einige Verse. Seit ich dieselben abgesandt, ist die Correspondenz abgebrochen. Das thut mir sehr weh, vor Allem wegen des Affronts, der darin liegt. Ich sende Dir anbei die Verse. Es ist jetzt hier so viel von Sachverständigen die Rede; ich rufe Dich als Experten an, und Du sollst mir sagen, ob das, was ich da geschrieben habe, verletzend oder taktlos ist. Bitte, sende mir die Verse zurück. Ich komme mir recht ekelhaft vor, daß ich so mein volles Herz zu Markte trage und es einer Jeden anbiete. Aber ich habe ein solches |Bedürfniß nach Zärtlichkeit, welches das Leben mir noch nicht ein einziges Mal befriedigt hat. Überall werde ich zurückgestoßen und bleibe einsam und voll unerfüllter Sehnsucht. Raté auch hier, erst recht hier. Kurzum, ich will nach China.
Grüß’ Dich Gott, liebster Freund! Schreib’ mir bald!
Dein treuer
Paul Goldmann
Viele Grüße an Deine Freundin!
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar