Ich bin jetzt sehr außerhalb der Post-Verbindungen u. habe daher erst dieser Tage
Deinen lieben Brief aus Salzburg vom 28. Juli erhalten. Inzwischen bist Du ja
längst glücklich heimgekehrt; und wenn Du meinen Brief erhältst, ist wohl auch schon
die Première Deines neuen Stückes vorüber und Du bist um einen
neuen Erfolg reicher.
|Es ist heut wieder
ein Tag, wo ich unsägliches Heimweh habe. Manchmal erwache ich wie aus einen Traume
und frage mich, was ich denn eigentlich hier in
diesem Lande mache? Noch dazu
bin ich seit einigen Wochen recht elend. Die Dysenterie ist mir in den
Leib gefahren und geht natürlich nicht wieder weg. Das ist eine schlimme Geschichte. Allein im
fremden Lande und auch noch
krank dazu und die Heimath so weit! . . . . .
|Ich danke Dir von Herzen für die Aufmerksamkeit,
mit der Du meine Arbeiten verfolgst. Du nennst sie »interessant« und ahnst
gewiß nicht, daß das ihre Verurtheilung ist. Interessant ist die Rubrik »Vermischtes«
in den Zeitungen, die von einem wunderbaren Walfisch-Fang berichtet oder vom
tätowirten Indianer. Die unbeschreibliche künstlerische Anstrengung, die ich auf
meine Arbeiten verwende, das Bestreben, einfach, klar und doch malerisch
darzustellen, |kommt also nicht zum Ausdruck. Wenn selbst Du es nicht siehst, so beweist das, daß meine Arbeiten verfehlt sind, was ich
von Anfang an geahnt habe. Es ist sehr bitter, liebster Freund, interessant zu schreiben.
Mein Brief findet Dich hoffentlich in guter, froher Arbeit und in heller Stimmung.
Denke Dir nur, welch’ ein Schemen alle Deine Leiden sein müssen, |wenn eine einzige Reise von Wien nach Salzburg sie verblassen macht. Quäle Dich nicht und mache Dir
einen frohen Winter!
Grüß’ mir den Richard! Ich freue mich, daß er das dritte
Capitel des »Götterliebling« beendet hat. Nur fürchte
ich, im vierten Capitel wird
der Held wieder einschlafen |und einige Jahrhundert
Weltgeschichte träumen, und das wird noch recht lang werden.
Man sandte mir hierher einen Artikel von
Rudolf Lothar über Dich in der »Wage«. Wenn Du den Autor siehst, so grüße ihn von
mir und sage ihm, meines Wissens sei noch nie über Dich ein ähnlicher Blödsinn
geschrieben worden. Auch erfahre ich daraus, daß Du
|durch Rudolf Lothar zum Schreiben ermuntert worden bist. Jetzt weiß ich, warum Du ein Dichter
bist!
Grüß’ Dich Gott, liebster Freund!
Dein treuer
Paul Goldmann
Paul Goldmann
Viele Grüße an Deine Freundin!
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