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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 12. 9. 1891
Salten, Felix
Miskolc
Empfang: [13. 9. 1891 – 17. 9. 1891?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 89, A 1
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 2.776 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »7«

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Felix Salten an Arthur Schnitzler, 12. 9. 1891. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03105.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03105«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 12. 9. 1891

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Felix Salten an Arthur Schnitzler, 12. 9. 1891

|Miskolcz 12. IX. 91.
Lieber Freund! Herzlichen Dank für Ihre beiden Briefe und verzeihen Sie, dass ich heftig wurde. Aber wenn man beinahe 100 Meilen weit von Wien ist fühlt man sich so ohnmächtig –. Ihr Brief, der erste nämlich ist verloren gegangen. Ich bin sehr froh, dass es Ihnen leidlich geht. Wann muss man zum Engagement in Tr. eintreffen? Was das Arbeiten anlangt, geht es mir wie Ihnen. Ich habe keine Zeile geschrieben. Es war auch physisch unmöglich. Mein Rückfall ist ziemlich unerklärlich, aber darum nicht weniger heftig. Was ich hier leide, ist entsetzlich. Mein einziges Hülfsmittel ist das Kutschiren. Ich bin auch hier schon als rasender Fahrer bekannt, und mein Papa fürchtet sich zu fahren, wenn ich kutschire. Es ist eine Wolthat, sage ich Ihnen, wenn man so gequält ist, dass man laut aufschreien möchte und man hat zwei Pferde und eine Peitsche in der Hand, die glatte Landstraße vor sich, und kann so sausen wie der Wind. Ich habe mich in meiner Verzweiflung erbötig gemacht, unseren neuen Bergdirektor, sowie einen Ingenieur zu den Gruben nach Upony zu fahren. Der erstere musste den Punkt suchen, wo der Einstich beginnen sollte, der zweite die Trace der Eisenbahn, welche gebaut werden soll, bestimmen. Wir fuhren um 4 Uhr morgens aus – haben Sie gerne, was?, – und ich legte unter einem fürchterlichen Anfall von image physiq den Weg der sonst 8 Stunden dauert in 5 ½ zurück. Dazu kam, dass der junge Ingenieur (typisch ungarischer Jude) sich bei mir angenehm machen wollte. Als wir durch den Uponyer Engpaß fuhren, umringt von hohen Bergen, in denen mächtige Kohlenlager enthalten sind, be|gann der Mensch neben mir enthusiastisch zu werden, und mir von der »Mutter Natur« zu reden. Ich glaubte, ich müsse vom Wagen springen, und laut schreiend in’s Kafé Kremser zu laufen, um mit Ihnen über die lächerliche Begeisterung des widerlichen 1. Grades zu schimpfen. Das wird jedoch bald geschehen, und dann werde ich Ihnen das Milieu schildern, in das ich hier gerathen bin. Schrecklich ist mir hier das Umworbenwerden, das Herandrängen der Familien u. das plumpe Angeln der Mütter u. Töchter. Mein Bruder Emil – »is scho hin × is scho hin!«
Mit Italien sieht’s schlecht aus. Papa beginnt den Betrieb und ich sehe, wie die Tausende nur so fliegen. Es wird schwer halten an ihn heranzutreten. Auf jeden Fall sehe ich Sie im Verlaufe dieser Woche, und freue mich schon sehr darauf.
Leben Sie recht wol, und berauschen Sie sich immerhin an der Lüge, die nach Wahrheit duftet, auch ich suche u. ersehne diesen Duft; – es ist ja unser Beider Schicksal, die wir nach der Wahrheit lechzen, dass wir uns am Duft der Lüge betäuben, und daher auch unser Hass gegen die Nüchternen.
Grüßen Sie mir alle Herren die uns lieb sind, und senden Sie auch von mir die besten Wünsche mit nach Tropp.
Ihr herzlich ergebener Felix S.
    Bildrechte © University Library, Cambridge