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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 16. 4. [1906]
Goldmann, Paul
Frankfurt am Main
Empfang: [17. 4. 1906 – 21. 4. 1906?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3175
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.185 Zeichen
Handschrift Paul Goldmann 1) schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift (erster Absatz)
2) blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift »Mitte April 906« vermerkt
2) mit rotem Buntstift drei Unterstreichungen

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 16. 4. [1906]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03243.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03243«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 16. 4. 1906

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 16. 4. [1906]

Lieber Freund, Ich danke Dir für Deinen lieben Brief, den ich kurz vor meiner Abreise aus Berlin erhielt, und komme mit einer großen Bitte.
Hier habe ich eine ganz verzweifelte Situation vorgefunden. Die Operation ist versucht worden. Man hat aber nach der Bauchöffnung konstatirt, daß der tumor an einer Stelle des Darms sitzt, an die man nicht herankomme, weder von oben, noch von unten. Die Ärzte haben sich also entschlossen, wieder zuzunähen, ohne etwas gemacht zu haben. Der Patient ahnt das nicht und glaubt, er sei mit Erfolg von einem gutartigen tumor operirt worden. Nur die Ärzte und ich wissen, daß er verloren ist. |Mein Schwager, der ein ebenso bedeutender als bedachtsamer Arzt ist, hat alle Eventualitäten in Betracht gezogen. Es gibt eine Operation, die Kraske in Freiburg macht und die an Geschwüre, die an dieser Stelle sitzen, von hinten auf dem Wege der Durchmeißelung eines Knochens herankommt. Da aber der Erfolg dieser Operation sehr fraglich ist und sie zumeist zur Bildung einer Darmfistel führt, hat mein Schwager, um den Patienten in seiner letzten Lebenszeit nicht unnötigen Qualen auszusetzen, sich entschlossen, auf diese Operation zu verzichten und will einfach das Unvermeidliche geschehen lassen.
In diese Resignation des Arztes |mich hineinzufinden, ist für mich unendlich schwer, – die Idee, daß da ein Mensch liegt, den man liebt, und man ohnmächtig zusehen soll, wie er zu Grunde geht, vermag ich nicht zu fassen. Im Grübeln über Rettungs-Möglichkeiten ist mir Dein Bruder eingefallen, der ja ein so bedeutender Chirurg ist, und ich bitte Dich nun recht sehr, ihm den Fall zu erzählen und ihn zu fragen, wie er darüber denkt, was er thun würde und ob er nicht irgend einen Rat weiß? Grüße ihn von mir und danke ihm in meinem Namen für Alles, was er sagen und thun könnte. Und sei auch Du vielmals und |herzlichst im Voraus bedankt! Nur bitte ich Dich, daß Du mir umgehend antwortest (an die Adresse meines Schwagers, Dr. Goldmann, bei Dr. Rosengart, das Weitere steht am Kopf des Briefes), da ich nur noch wenige Tage hier bleiben kann.
Daß ich Dir das Alles nur im strengsten Vertrauen mitteile, brauche ich ja nicht erst zu sagen.
Viele treue Grüße!
Dein Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar