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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 1. 4. [1901]
Goldmann, Paul
Berlin
Empfang: [2. 4. 1901?]
Gussmann, Olga
Wien?
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.5247
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.579 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von Arthur Schnitzler das Jahr »1901« vermerkt

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Olga Gussmann, 1. 4. [1901]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03524.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03524«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 1. 4. 1901

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Olga Schnitzler, 1. 4. 1901

Quelle: Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Hrsg. v. Therese Nickl u. Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981.

Traumtagebuch

Traum vom 1. April 1901

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

Weiteres

Paul Goldmann an Olga Gussmann, 1. 4. [1901]

Berlin, 1. April.

Liebes Fräulein Olga,

Endlich einmal eine freie Stunde, nach arbeitsschweren Tagen. Heut will ich erst Ihren lieben Brief beantworten. Das Schwesterchen kommt nächstens an die Reihe.
Dieser Ihr Brief war alssehr schön. Ich sage Ihnen, es thut wohl, ein wenig gestreichelt zu werden, – namentlich wenn man in dieser Beziehung gar nicht, aber auch schon gar nicht verwöhnt ist. Und doch, er kam ein wenig zu spät, dieser Brief. Ich merke gar zu deutlich, daß mein lieber Freund Arthur hinter den Coulissen die Regie führt. Ich habe schon aus den Wiener Begegnungen |den Eindruck mitgebracht, daß Sie auf mich nur aufmerksam geworden sind, weil ich Ihnen an der Seite dieses meines lieben Freundes erschienen bin. Sonst wären Sie wahrscheinlich an mir vorübergegangen, ohne mich zu sehen. Ihre Briefe haben mir die Wahrnehmung bestätigt. Natürlich werden Sie jetzt protestiren. Aber, glauben Sie mir, ich kenne so gut den Ton, den Diejenigen annehmen, die Einen verkennen. Ich höre ihn mit scharfem Ohr selbst aus der Freundschaft heraus. Ich bin ein Fachmann im Verkanntwerden.
Und da ich müde bin, immer wieder dasselbe zu erleben, selbst bei den ganz Klugen (es gibt kluge Frauen, die doch |nur Denjenigen richtig beurtheilen, den sie lieben), so habe ich Ihnen vielleicht nicht so oft geschrieben, als ich es hätte thun sollen. Das ist aber keine Behandlung »en canaille«, wahrhaftig nicht. Mit der Freundschaft hat das gar nichts zu thun. Ich will mit der Freundschaft keine Geschäfte machen; und es ist mir ein sehr feines und ein wenig ironisches Vergnügen, mehr geben zu können, als ich bekomme.
Vielleicht hätte ich das, was ich Ihnen, liebes Fräulein Olga, da erzählt habe, gar nicht gespürt, wenn ich nur einen einzigen Menschen hätte (statt Mensch ist natürlich »Frau« zu lesen), der sich für mich interessirt und der mich lieb hat. Aber ich habe |Niemand. So sitze ich in der Einsamkeit und fange Grillen. Dieser Brief ist nichts als eine große, gefangene Grille. Sie werden ihn als solche behandeln und darüber lachen. Aber jetzt, wo mir die Ostersonne zum Fenster hereinscheint, wird es gar schlimm. Die dumme Frage regt sich wieder, warum es für die ganze Welt Frühling wird und warum ich allein davon ausgenommen sein soll? Es isschwer, seinen Gleichmuth zu bewahren, wenn einem so eine Frage im Kopfe rumort.
Liebes Fräulein, ich möchte wissen, wie es Ihnen und dem lieben Schwesterchen geht. Und die Brautlieder von Cornelius möchte ich auch wohl einmal hören. Schreiben Sie mir bald wieder! Und fröhliche Ostern!
Ihr Dr. Paul Goldmann
|Herzliche Grüße an Sie Beide und an Herrn Paul!
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar