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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 13. 12. 1909
Zweig, Stefan
Wien
Empfang: [13. 12. 1909 – 16. 12. 1909?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 3 Seiten, 1.907 Zeichen
Handschrift lila Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift »Zweig«
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 357–358.
Veröffentlichung 2
Stefan Zweig: Briefe. Bd. I: 1897–1914. Herausgegeben von Knut Beck, Jeffrey B. Berlin, Natascha Weschenbach-Feggeler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1995, S. 201.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 13. 12. 1909. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03624.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03624«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 13. 12. 1909

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Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
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Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 13. 12. 1909

Wien, 13. Dez 09
 

Sehr verehrter Herr Doktor,

ich hatte gestern die Freude, der erfolgreichen Aufführung Ihres »Ruf des Lebens« beizuwohnen. Es wäre ungeziemend wollte ich mir eine Bemerkung über das Wesen und den Wert des Stückes zu Ihnen ungefragt gestatten, aber das darf ich Ihnen wohl sagen, dass ich vielleicht niemals von einem Ihrer Werke im Theater einen so gewaltigen und wirklich die letzten Erschütterungen aufwühlenden Eindruck empfunden habe. Sie bedürfen heute längst nicht mehr einer Zustimmung – am wenigsten von uns, die wir alle an Ihnen zu lernen haben – aber eben, weil diesem Stück soviel Missverständnis – feind|lich oder auch freundlich – gegenüber stand, möchte ich Ihnen sagen, dass ich das Gefühl gänzlichen Einverständnis hatte. Ich habe wie selten hier die Gefühle in einer nahen und doch nicht schamlosen menschlichen Körperlichkeit gefühlt und den ungeheuren Raum wirklich mit einem süssen und bezwingenden Schrecken aufgerissen gesehen, der zwischen dem intensivesten Leben und dem Nichts plötzlich aufspringen kann. Nie, soweit ich Ihr Werk überschaue, haben Sie eine ähnliche Gewalt über das Schicksal gezeigt und ich wäre froh, wenn Sie sich dieses Stück nicht um ein paar theatralischer Dinge willen jemals verärgern oder minder lieb haben liessen. Ich werde Ihnen immer dafür dankbar sein und ich glaube, immer mehr werden sich finden, die es so fühlen werden: nicht um des Gesagten willen, der Worte und der Menschen sosehr, sondern um der ungeheuren Vitalität willen, die aus jedem Wesen darin atmet. Diese feindliche Um|schlingung von Leben und Tod, die feurige Secunde ihres Einswerdens in der Leidenschaft wird mir unvergesslich eine der schönsten Erinnerungen an den Abend sein.
Nehmen Sie also innigen Dank für dieses Werk, das alte Liebe und Verehrung bei mir nur vermehrt, bekräftigt und vertieft hat. Wie freue ich mich Ihrem nächsten entgegen!
In herzlicher Ergebenheit
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge