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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 12. 11. 1912
Zweig, Stefan
Wien
Zustellung: [12. 11. 1912 – 14. 11. 1912?]
Wien
Empfang: [14. 11. 1912]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.458 Zeichen
Handschrift lila Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift »Zweig«
2) mit rotem Buntstift zwei Unterstreichungen
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 370–372.
Veröffentlichung 2
Stefan Zweig: Briefe. Bd. I: 1897–1914. Herausgegeben von Knut Beck, Jeffrey B. Berlin, Natascha Weschenbach-Feggeler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1995, S. 266–267.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 12. 11. 1912. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03639.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03639«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 12. 11. 1912

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Kulturveranstaltungen
Gedruckte Briefwechsel

Erhalt von Isabella Vengerova an Arthur Schnitzler, 7. 11. [1912]

Quelle: Die Korrespondenz von Arthur Schnitzler mit Isabella Vengerova und Zinaida Vengerova. Herausgegeben von Konstantin Asadowski und Martin Anton Müller. In: Hofmannsthal-Jahrbuch zur europäischen Moderne, Bd. 30 (2022), S. 7–91.

Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Olga Schnitzler, 12. 11. 1912

Quelle: Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Hrsg. v. Therese Nickl u. Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981.

Kino

Schnitzler geht ins Kino in Berlin, 12. November 1912

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 12. 11. 1912

Wien, 12. Nov 12
 

Verehrter lieber Herr Doktor,

mit ungemeiner Freude habe ich Ihren »Professor Bernhardi« empfangen, mit Leidenschaft ihn sofort gelesen und eigentlich noch immer nicht aus der Hand gelegt, wiewohl ich schon längst bei der letzten Seite war und wieder mitten darin und wieder am Ende. Aber es ist ja unsere engste Welt, die sich hier auftut, weit freilich, unendlich weit, bis man den Himmel der grossen seelischen Gerechtigkeit über ihr mit allen guten Sternen sieht. Ich weiss nicht, ob ich Ihnen etwas Liebes damit sage, aber meine Empfindung will doch aufrichtig sein: |ich spürte im ersten Lesen gar nicht mehr, dass dies ein Drama ist, ein Theaterstück, ein Kunstwerk, ich spürte nur lebendigstes Leben, das mich ergriff wie ein fait divers der Zeitung, ein politischer Fall, spürte erst nur menschliche Empörung, Freude, Hass und Liebe. Dann später erst kam das Besinnen, dass dies Gestaltetes, Verwandeltes, Kunstwerk und nicht unmittelbares Leben ist. Und immer habe ich noch keine Ruhe, um den Bernhardi als Kunstwerk oder gar auf den Theatererfolg hin betrachten zu können, ich bin zu passioniert davon, zu sehr mit Sympathie und Zorn gegen und für seine so herrlich lebendigen, so atemnahen Menschen. Nostra ipsissima res agitur – ich spür es zu sehr und |kann gar nicht recht heraus, mir’s zu betrachten, so sehr bin ich darin. Jedesfalls: Sie haben nie eine grössere Scene geschrieben als die im vierten Akt zwischen dem Geistlichen und Bernhardi, es ist die Grossinquisitorscene Ihres dramatischen Werks, ganz weit blickend, hart und doch voll Güte, gross in jedem, im menschlichen, im künstlerischen Sinn. Nie waren Ihre Menschen lebendiger, nie Sie selbst dichterisch so weit, das spüre ich mit Beglückung und – verzeihen Sie! – mit Stolz, denn man darf doch niemandem versagen, auf die stolz zu sein, die man liebt.
Dramaturgisch den Bernhardi zu betrachten, vermag ich noch nicht, ich sagte es ja, er ist noch zu heiß in mir. Aber ich weiß, solchen letzten menschlichen Entäußerungen kann nie |die Bewunderung fehlen. Ich weiß Ihr Werk wird wirken (im banalen bühnentechnischen Sinn und um wie viel mehr im höheren!), ich werde jedesfalls in Berlin bei der Première sein, sobald ich das Datum erfahre und eine Einteilung zu treffen vermag. Denn ich möchte nicht fehlen, wenn ein solches Werk aus Buch zum Wort und vom Wort zur lebendigen Wirkung wird.
Viele Grüsse Ihrer verehrten Frau Gemahlin! Innigst getreu und mit frohem Glückwunsch
Ihr
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge