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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 4. 2. 1927
Zweig, Stefan
Salzburg
Empfang: [5. 2. 1927 – 9. 2. 1927?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 2.462 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift 13 Unterstreichungen und beschriftet: »Zweig / (Diagram«
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 425–426.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 4. 2. 1927. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03673.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03673«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 4. 2. 1927

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Kino

Schnitzler geht ins Kino, 4. Februar 1927

Quelle: »A. ist manchmal wie ein kleines Kind«. Clara Katharina Pollaczek und Arthur Schnitzler gehen ins Kino. Herausgegeben von Stephan Kurz und Michael Rohrwasser unter Mitarbeit von Daniel Schopper. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2012.

Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 4. 2. 1927

|SZ Salzburg 4. II 1927
Lieber verehrter Herr Doktor, ich war, wie wohl alle, erst überrascht, von Ihnen ein characterologisches Buch zu empfangen, doch gleichzeitig sehr neugierig gereizt, wie ein so verantwortliches Problem bei Ihnen Lösung finde. Sie wissen ja, dass mein essayistisches Hauptwerk von dem nur zwei Bände bisher erschienen sind, eine »Typologie des Geistes« sein will, also die ganzen Identitäten in Varianten aufzeigen; so war Ihre Formulierung mir eine Art Bestätigung und insbesondere jener tragende Gedanke, dass jede Erscheinung ihren Schatten wirft wie ein organisches Gebilde, dass jeder Sinn tätig seinen Widersinn, seine Verzerrung in der irdischen Erscheinung erschafft, will mir ausserordentlich fruchtbar erscheinen. Dazu formt sich die Abwandlung durchaus klar: more geometrico im Sinne unseres Spinoza und auch das Widerspiel fehlt nicht, amor intellectualis, die rein geistige Liebe zur beinahe metaphysischen Problematik. Ich bin für Sie dieses kleinen Büchleins sehr froh, denn die Menschen nehmen den Künstler am liebsten dort, wo er leicht und locker wird, in ihre Wertung auf. Hier werden manche über den sachlichen Ernst erstaunen, der in Ihnen die Urmacht ist – ich freilich erstaune nicht, ich weiss ja auch von Ihren verstreuten und leider noch nicht gesammelten Reflexionen über die Kunst, wie sehr Sie die innerliche Mechanik dessen beschäftigt, was nach aussen hin als Selbstverständlich-Wirkendes erscheint. Es wäre mir innige Freude, einmal ausführlich mit Ihnen über diese Probleme sprechen zu dürfen: im tiefsten Grunde sind Sie damit dem Sinn der Zeit nahegekommen, die endlich – endlich! – müde wird der collectiven Typenlehre von den »Rassen« und »Nationen« wie sie Gobineau in die Welt setzte und die Einordnung in den Individual-Typus begehrt. Das haben Sie mit |dieser kleinen Studie, die nur den Rand zu berühren scheint, in Wahrheit aber auf das Wesentliche zielt, sehr gefördert.
Ich fahre jetzt ein wenig nach Süden, hoffentlich in neue Arbeit hinein. Das letzte Jahr war äusserlich so gut zu mir, dass ich nun doppelt anpruchsvoll wider mich sein muss, um den unerwarteten Erfolg nicht zu dementieren. Aber je schwerer sie wird, desto lieber hat man die Arbeit: ich weiss, es geht Ihnen ebenso und nie war Ihr geistiger Ertrag fülliger und bedeutsamer als in den letzten Jahren.
Muss ich noch besonders sagen, wie sehr und innig ich Ihnen anhänge? Ich hoffe, Sie wissen’s und gedenken freundlich Ihres getreuen
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge