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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 22. 12. 1911
Sternheim, Carl; Wedekind, Frank; Eulenberg, Herbert; Borngräber, Otto
Pullach im Isartal
Empfang: [23. 12. 1911 – 27. 12. 1911?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.5742
Typ Brief
Beschreibung Durchschlag, 2 Blätter, 2 Seiten, 2.435 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift Carl Sternheim 1) schwarze Tinte (Originalunterschrift)
2) Bleistift, lateinische Kurrentschrift (Ergänzung)
Zufügungen
Schnitzler 1) mit rotem Buntstift zwei Unterstreichungen und auf dem zweiten Blatt Vermerk: »Sternheim« und Datierung: »22/12 11«
2) mit Bleistift Vermerk: »Sternheim«
Veröffentlichung 1
Frank Wedekinds Korrespondenz digital. (21. 1. 2025) ONLINE.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Carl Sternheim u.a. an Arthur Schnitzler, 22. 12. 1911. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04013.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04013«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 22. 12. 1911

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Carl Sternheim u.a. an Arthur Schnitzler, 22. 12. 1911

den 22. Dezember 1911.

Sehr geehrter Herr.

Im Namen der Herren Frank Wedekind, Herbert Eulenberg, Otto Borngräber und im eigenen habe ich die Ehre, Ihnen folgendes mitzuteilen:
Wir haben die Absicht, das große Publikum durch beifolgenden Aufruf, der in Zukunft jedem Buch der unten angegebenen Autoren beiliegen soll und auch den Tageszeitungen mitgeteilt wird, zum Beitritt zu einem allgemeinen Protest aufzufordern.
In Anbetracht der ungeheuren Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache hoffen wir, Sie werden möglichst umgehend dem Unterzeichneten Ihre Zustimmung mitteilen und die Erlaubnis erteilen, Ihren Namen unter den Aufruf setzen zu dürfen.
Ihr sehr ergebener
[handschriftlich:] Carl Sternheim
[maschinenschriftlich:] Aufgefordert wurden folgende Autoren:
Hermann Bahr HerbertEulenberg Wilhelm Schmidtbonn
Franz Blei Gerhart Hauptmann Arthur Schnitzler
Otto Borngräber Hugo von Hofmannsthal Carl Sternheim
Max Dauthendey Heinrich Mann Karl Vollmöller
Richard Dehmel Thomas Mann Frank Wedekind
Sie sind gebeten, über Vorstehendendes vorläufig Verschwiegenheit zu wahren.
|Aus der Mitte des Publikums kommt Anfrage auf Anfrage an uns: Es fühle sich durch die fortwährenden Polizeiverbote in seinem Empfinden, seinem Urteil auf’s höchste verwirrt und beunruhigt. Der Gatte wisse nicht mehr, was er seiner Frau, der Erzieher nicht, was er den Zöglingen von unseren Büchern anbieten dürfe.
Sei denn wirklich aus dem Geist unserer Schriften die Polizei zu ihrem Vorgehen gegen uns nicht befugt? Könnten wir Autoren auf unsere Ehre versichern, wir stellten in unseren Dichtungen dem sittlichen Gefühl einer großen Nation, deren geistiges Wohl uns anvertraut ist, keine Falle?
Nun denn im Bewußtsein unserer unendlichen Verantwortung auf Manneswort für jetzt und alle Zukunft: Mit Andacht und Demut hören wir auf die Empfindungen der Kinder unserer Zeit. Keine irdische Macht, aber die Stimme Gottes aus der Brust des Menschen diktiert uns die Forderungen der Vernunft, Schönheit und Sittlichkeit. Ihr Leser, nicht wir Schreibenden (die wir ja nur Euer geheimstes Sprachrohr in die Welt sind) prägt diese neuen Wahrheiten, die den Hütern der alten bequemen Formeln ein Entsetzen sind, und die sie im Keim zu vernichten trachten.
Ihr Leser selbst seid in Eurem Willen zu heutiger Wahrheit aufs heftigste angegriffen. Helft Euch, indem Ihr zum Kampf entschlossen, einem geharnischten Proteste beitretet. Helft endlich uns mit der Tat gegen Willkür und Vergewaltigung. wir gehen gemeinsam in neue Zeiten hinein!
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar