|Lieber Gu
stav, ich hab es ja geahnt, d
ss Sie
schließlich doch nicht
ko
mmen werden – aber Sie mü
ssen mir trotzdem erlauben,
enttäu
scht zu
sein. Wenn ich
sagen würde: Ich
sehne mich nach Ihnen,
so könnten Sie
erwidern: »Ko
mmen Sie nach
Wien – we
nn das wahr i
st« — aber Sie wi
ssen ja,
da
ss allerlei Wahrheiten in mir zur gleichen Zeit be
stehn können, und Sie werden mir
daher auch glauben, d
ss ich vor
Wien – ich fand
gar keinen
↓andern↓ Ausdruck, eine förm
|liche Ang
st habe. Heute hatte ich den
sonderbaren Traum, da
ss ich (– la
ssen Sie mich
sagen:) die
Entschwundene vor einem Hutge
schäft, das im
Jockeyclub war, erwartete, und wunderte mich zugleich, da
ss ich
sie
dort eve↓so nah↓ vor dem Hau
se erwartete, wo
sie ge
storben war. Sie kam heraus, als ganz alte
Frau, und
schien
sich zugleich wegen aller die
ser Dinge zu ent
schuldigen; da
ss
sie
mich
so lang habe warten la
ssen, da
ss
sie
so alt und da
ss
sie
schon todt
sei. Es war
ganz ent
|setzlich. – Die be
sten
Stunden hier
sind noch die, in denen ich arbeite; zuweilen geht es leidlich. Nun wird
auch das Wetter wieder hüb
sch, und es radelt
sich angenehm, we
nn nicht die
Pneumatik platzt,
wie ge
stern. Sie wi
ssen jedenfalls, d
ss auch
Hugo da i
st und fleiß
g an
seinem Stück
schreibt, »
Die Bergwerke von Falun«. Ich freue mich
sehr, d
ss er da i
st. Von Familie wi
mmelt es und man dankt Ihnen für Ihre lieben Grüße – aber
– Sie können mir glauben, alle bedauern, da
ss Sie
|sich zu keinem Herko
mmen (die
ser Doppel
sinn des Wortes Herko
mmen fällt mir jetzt er
st auf) ent
schließen konnten. Vor
ein paar Tagen i
st meine
Tante
Marie Schey ge
storben
; der Bequemlichkeit halber i
st ihr hier noch ein Spei
seröhrenkrebs
andiagno
stizirt worden. Ich war in Ungnade, weil das Dien
stper
sonal erklärte, ich
habe
sie nach
Ischl ge
schickt, und in
Wien wäre
sie nie ge
storben. – Ganz
Bozi
sche Sachen; davon mündlich. –
|Wahr
scheinlich bleib ich bis etwa
8. hier. Es i
st möglich, d
ss ich da
nn auf
einige Tage mit
M. E. zu
sa
mmenko
mme, we
nn sie nicht auf Ver
sehen nach
Madrid rei
st
statt nach
Innsbruck oder in der Zwi
schenzeit von einem Detectiv erwürgt wird. Ich
bekomme Briefe von ihr, in denen der Schwach
sinn die Verlogenheit überwiegt und ka
nn mich leider nur mit dem letztern, we
nn auch da ohne Elan, revanchiren. – Trotzdem werd ich
wieder alle die Unbequemlichkeiten auf mich nehmen,
|– »
und alles dies für eine einzige
Nacht«, wie der
Herzog von Bologna weniger originell als fünffüßig im 2. Akt der
Beatrice bemerkt. – Hier lebe ich vollko
mmen zurückgezogen,– bis zur Unhöflichkeit. Schreiben Sie
mir doch
sehr bald wieder!
Kapper erzählte viel von Ihnen. Auch von
Ebermann; hier war der
Enthu
siasmus geringer.