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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 25. 8. 1899
Schnitzler, Arthur
Bad Ischl
Empfang: [26. 8. 1899 – 30. 8. 1899?]
Schwarzkopf, Gustav
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 96
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 6 Seiten, 2.607 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 374.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Gustav Schwarzkopf, 25. 8. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04131.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04131«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 25. 8. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Gustav Schwarzkopf, 25. 8. 1899

|Lieber Gustav, ich hab es ja geahnt, dss Sie schließlich doch nicht kommen werden – aber Sie müssen mir trotzdem erlauben, enttäuscht zu sein. Wenn ich sagen würde: Ich sehne mich nach Ihnen, so könnten Sie erwidern: »Kommen Sie nach Wien – wenn das wahr ist« — aber Sie wissen ja, dass allerlei Wahrheiten in mir zur gleichen Zeit bestehn können, und Sie werden mir daher auch glauben, dss ich vor Wien – ich fand gar keinen andern Ausdruck, eine förm|liche Angst habe. Heute hatte ich den sonderbaren Traum, dass ich (– lassen Sie mich sagen:) die Entschwundene vor einem Hutgeschäft, das im Jockeyclub war, erwartete, und wunderte mich zugleich, dass ich sie so nah vor dem Hause erwartete, wo sie gestorben war. Sie kam heraus, als ganz alte Frau, und schien sich zugleich wegen aller dieser Dinge zu entschuldigen; dassie mich so lang habe warten lassen, dassie so alt und dassie schon todt sei. Es war ganz ent|setzlich. – Die besten Stunden hier sind noch die, in denen ich arbeite; zuweilen geht es leidlich. Nun wird auch das Wetter wieder hübsch, und es radelt sich angenehm, wenn nicht die Pneumatik platzt, wie gestern. Sie wissen jedenfalls, dss auch Hugo da ist und fleißg an seinem Stück schreibt, »Die Bergwerke von Falun«. Ich freue mich sehr, dss er da ist. Von Familie wimmelt es und man dankt Ihnen für Ihre lieben Grüße – aber – Sie können mir glauben, alle bedauern, dass Sie |sich zu keinem Herkommen (dieser Doppelsinn des Wortes Herkommen fällt mir jetzt erst auf) entschließen konnten. Vor ein paar Tagen ist meine Tante Marie Schey gestorben; der Bequemlichkeit halber ist ihr hier noch ein Speiseröhrenkrebs andiagnostizirt worden. Ich war in Ungnade, weil das Dienstpersonal erklärte, ich habe sie nach Ischl geschickt, und in Wien wäre sie nie gestorben. – Ganz Bozische Sachen; davon mündlich. – |Wahrscheinlich bleib ich bis etwa 8. hier. Es ist möglich, dss ich dann auf einige Tage mit M. E. zusammenkomme, wenn sie nicht auf Versehen nach Madrid reisstatt nach Innsbruck oder in der Zwischenzeit von einem Detectiv erwürgt wird. Ich bekomme Briefe von ihr, in denen der Schwachsinn die Verlogenheit überwiegt und kann mich leider nur mit dem letztern, wenn auch da ohne Elan, revanchiren. – Trotzdem werd ich wieder alle die Unbequemlichkeiten auf mich nehmen, |– »und alles dies für eine einzige Nacht«, wie der Herzog von Bologna weniger originell als fünffüßig im 2. Akt der Beatrice bemerkt. – Hier lebe ich vollkommen zurückgezogen,– bis zur Unhöflichkeit. Schreiben Sie mir doch sehr bald wieder!
Von Herzen Ihr Arth Sch
Ischl 25/8 99.
Kapper erzählte viel von Ihnen. Auch von Ebermann; hier war der Enthusiasmus geringer.
    Bildrechte © University Library, Cambridge