lieber Gu
stav, Sie
sehen, ich bin noch immer hier. Heut hab ich
wieder einmal vorläufig, höch
st vorläufig, und in
schlechter Sti
mmung mein
Stück abge
schlo
ssen
; eine
Zeit, in den Mittelakten gings gut; aber in den letzten Tagen bin ich wieder ganz
gottverla
ssen, und über die Schwächlichkeit meines Ausdrucks in einer vielleicht
unverhältnismäßg Niederge
schlagenheit. Da wirkt natürlich auch andres mit, das
Ohr
|vor allem. –
Hugo
war bis vorge
stern
hier;
seine Ge
sell
schaft that mir
sehr wohl. Er
schrieb anfangs fleißig; dann war er
plötzlich ganz herunter u. i
st jetzt in
Altaussee. Ich bleibe noch
bis
Dinstag hier, fahre dann nach
München, wo ich
mit
M. E. zu
sa
mmentreffen und eine kleine Rei
se unternehmen
soll, will, mu
ss, werde – ich
wei
ss wirklich
selb
st nicht. I
st übrigens vom
1. October bei
Neumann Hofer engagirt, u ziemlich
|komi
sch,
wie ich
sowohl von
M. E. als von
M. G. Briefe bekomme, da
ss
sie dem
N. Hofer die
Rolle
zurück
schicken. – Nun hat er der
Gl. die
Abschieds-Annie gegeben und
ko
mmt
sich wahr
scheinlich wie ein richtig
diplomati
scher Kerl vor, der die Beziehg
seiner Kün
stler zu verwerthen
ver
steht. – Das, war Sie
so beißend »Zer
streuung« zu ne
nnen pflegen, hat
sich hier auch gefunden,
|gleich
doppelt, aber so jüdi
sch, da
ss
ich mich nach der katholi
schen Canaille wahrhaft
sehne. – Al
so wird es doch weiter
oben zu heißen haben:
will. –
Um den
20. herum werde ich
wahr
scheinlich in
Berlin sein; anfangs dachte ich dem
Brahm mein
Stück dort
vorlesen zu können; aber jetzt ko
mmts
mir ab
solut unfertig vor. – – Auf
Mercier und das andre Ge
sindel hab ich eine förmliche Wuth – trotz der
Neuen Freien. |Sehr freuen würd es mich, we
nn ich am
Mittwoch in
München post rest. ein kurzes Wort (das i
st doch mit möglich
ster
Be
scheidenheit ausgedrückt) von Ihnen fände. –
Ebermann
hab ich flüchtig ge
sprochen;
er behauptet ein
Stück vollendet zu haben; wie Sie ja wahr
scheinlich wi
ssen
werden. –
Richard, denken Sie, arbeitet bereits an
seinem
Drama. –
Morgen i
st hier
Fuhrmann Henschel –
|der wirkliche von
Hauptmann – mit
Maran!! als Ga
st, offenbar in den Hauptrolle. – Der kleine
Kraus sitzt im
Theater (ich
war bei einigen
Offenbach’s, die Ihnen
sicher be
sser bekannt
sind als dem
↓hiesigen↓ Kapellmeister) –
sehr großartig;
seine Stellung zu den Anti
semiten i
st doch
das widerwärtig
ste, was mir je vorgeko
mmen. Ja wenn es
Ein
sicht,
|Intention zu Gerechtigkeit
wäre; aber es i
st
schließlich auch nichts als Kriecherei – irgend was wie das, was
ich einmal in einer Tramway erlebt habe, wie ein
schäbiger jüdi
scher Commis vor
Luëger Platz machte und
sagte, »Bitte Herr Doktor« und
entzückt war, von
Luëger keinen Fußtritt zu erhalten –
kurz die Haltung des
|kleinen
Kraus gegen die Anti
semiten – i
st nicht jüdi
sch.
(Vermeiden Sie es nach Thunlichkeit, die
sen Brief
Vergani oder
C. H. Wolff mitzutheilen.) – haben Sie
Muschelkinder ge
sehn? –