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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 9. 9. 1899
Schnitzler, Arthur
Bad Ischl
Empfang: [10. 9. 1899 – 14. 9. 1899?]
Schwarzkopf, Gustav
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 96
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.898 Zeichen
Handschrift Bleistift, deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 376–378.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Gustav Schwarzkopf, 9. 9. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04142.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04142«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 9. 9. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Gustav Schwarzkopf, 9. 9. 1899

|Samst 9. 9. 99.
lieber Gustav, Sie sehen, ich bin noch immer hier. Heut hab ich wieder einmal vorläufig, höchst vorläufig, und in schlechter Stimmung mein Stück abgeschlossen; eine Zeit, in den Mittelakten gings gut; aber in den letzten Tagen bin ich wieder ganz gottverlassen,  und über die Schwächlichkeit meines Ausdrucks in einer vielleicht unverhältnismäßg Niedergeschlagenheit. Da wirkt natürlich auch andres mit, das Ohr|vor allem. – Hugo war bis vorgestern hier; seine Gesellschaft that mir sehr wohl. Er schrieb anfangs fleißig; dann war er plötzlich ganz herunter u. ist jetzt in Altaussee. Ich bleibe noch bis Dinstag hier, fahre dann nach München, wo ich mit M. E. zusammentreffen und eine kleine Reise unternehmen soll, will, muss, werde – ich weiss wirklich selbst nicht. Ist übrigens vom 1. October bei Neumann Hofer engagirt, u ziemlich |komisch, wie ich sowohl von M. E. als von M. G. Briefe bekomme, dassie dem N. Hofer die Rolle zurückschicken. – Nun hat er der Gl. die Abschieds-Annie gegeben und kommsich wahrscheinlich wie ein richtig diplomatischer Kerl vor, der die Beziehg seiner Künstler zu verwerthen versteht. – Das, war Sie so beißend »Zerstreuung« zu nennen pflegen, hat sich hier auch gefunden, |gleich doppelt, aber so jüdisch, dass ich mich nach der katholischen Canaille wahrhaft sehne. – Also wird es doch weiter oben zu heißen haben: will. – Um den 20. herum werde ich wahrscheinlich in Berlin sein; anfangs dachte ich dem Brahm mein Stück dort vorlesen zu können; aber jetzt kommts mir absolut unfertig vor. – – Auf Mercier und das andre Gesindel hab ich eine förmliche Wuth – trotz der Neuen Freien. |Sehr freuen würd es mich, wenn ich am Mittwoch in München post rest. ein kurzes Wort (das ist doch mit möglichster Bescheidenheit ausgedrückt) von Ihnen fände. – Ebermann hab ich flüchtig gesprochen; er behauptet ein Stück vollendet zu haben; wie Sie ja wahrscheinlich wissen werden. – Richard, denken Sie, arbeitet bereits an seinem Drama. – Morgen ist hier Fuhrmann Henschel|der wirkliche von Hauptmann – mit Maran!! als Gast, offenbar in den Hauptrolle. – Der kleine Kraus sitzt im Theater (ich war bei einigen Offenbach’s, die Ihnen sicher besser bekannt sind als dem hiesigen Kapellmeister) – sehr großartig; seine Stellung zu den Antisemiten ist doch das widerwärtigste, was mir je vorgekommen. Ja wenn es Einsicht, |Intention zu Gerechtigkeit wäre; aber es isschließlich auch nichts als Kriecherei – irgend was wie das, was ich einmal in einer Tramway erlebt habe, wie ein schäbiger jüdischer Commis vor Luëger Platz machte und sagte, »Bitte Herr Doktor« und entzückt war, von Luëger keinen Fußtritt zu erhalten – kurz die Haltung des |kleinen Kraus gegen die Antisemiten – ist nicht jüdisch. (Vermeiden Sie es nach Thunlichkeit, diesen Brief Vergani oder C. H. Wolff mitzutheilen.) – haben Sie Muschelkinder gesehn? –
Leben Sie wohl und sagen Sie
mir, ob Sie nicht doch endlich
ein Stück schreiben werden.
Herzlich der Ihre
ArtsSch.
    Bildrechte © University Library, Cambridge