Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 4. 1908
Holzer, Marie
Prag
Empfang: [24. 4. 1908 – 28. 4. 1908?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 45
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.127 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift Vermerk »Absch.« und »Marie Holzer«
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand: »Marie H«

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Marie Holzer an Arthur Schnitzler, 23. 4. 1908. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04220.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04220«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04220.html |titel=Marie Holzer an Arthur Schnitzler, 23. 4. 1908 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1908-04-23 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 23. 4. 1908

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Marie Holzer an Arthur Schnitzler, 23. 4. 1908

|Sehr geehrter Herr Doktor!

Wir saßen in einer kleinen Gesellschaft und ich erzählte den Inhalt Ihrer Novelle: Der Tod des Junggesellen, die ich dreimal gelesen und jedesmal von neuem miterlebt.
Das schreibt man, aber das tut man nichtsagte ein temperamentvoller Ehemann, ein Pflichtenmensch, dessen Gefühle sich nur in der Skala des Erlaubten bewegen. »Künstler und Mensch sind so grundverschiedene Elemente, die man haarscharf auseinanderhalten muß,« sagte eine Malerin.
Er würde gewiß nicht so handeln, wenn die Frau |die er liebte – – – – 
Im Affekt ist man niemals Herr seiner selbst! ssagten – alle – alle –
Und ich drang mit meiner Verteidigung nicht durch, daß man sich kraft seines Wesens, kraft seiner Überzeugung zu einem Standpunkt durchgerungen, den man unter allen Umständen einnimmt.
Man verwies auf »Das Märchen«.
Daß Sie der Welt und dem landläufigen Empfindungsvermögen, das in tief eingewurzelten Vorurteilen seine Begründung hat im Märchen einen Spiegel vorgehalten und vielleicht auch damals so gefühlt, ist möglich, heute stehn Sie aber ir|gendwo anders, sagte ich. Daß durch viele Ihrer Arbeiten, als Leitmotiv derselbe Gedanke durchklingt, und daß gerade dieser Gedanke Ihre tiefinnerste Überzeugung ist, daß wir gewisse Gefühle nicht unter die Herrschaft des Willens zwingen können, und daß die Einsicht allmählich durchdringt, daß wir niemals ein schrankenloses Recht auf den Nächsten haben. Daß gerade Sie ein reifes Verstehen für die schlagenden Wetter, tief drunten im dunklesten Schacht der menschlichen Psyche haben, die Sie sehen und begreifen, trotz des Vorschutzes von Kultur und Beherrschung, trotz jahrtausende alter Vorurteile. |Und daß gerade indem einen Punkt, Mensch und Künstler dieselbe Sprache sprechen. Ja, daß Sie der Apostel dieses wunderlichen Gedankens sind, zu dem die andern erst langsam, langsam finden müssen.
Wir gingen alle verstimmt auseinander. Keiner hatte den anderen überzeugt. Da ich aber das sichere Gefühl habe, daß ich Sie verstehe – so möchte ich mir die Frage erlauben – wer von uns hatte recht?
Mit freundlichem Gruß
Frau Marie Holzer.
Prag-Weinberge Kroneng. 78, den 23. 4.  1908.
    Bildrechte © University Library, Cambridge