Sehr geehrter Herr Doctor!
Anbei erlaube ich mir Ihnen ein Exemplar meiner Anthologie zu übersenden, dem ich durch eine kleine
Inschrift einen persönlichern Charakter zu geben so frei war.
Es ist dies meine ursprüngliche Absicht gewesen und das für Sie bestimmte Buch war schon eingepackt und
adreßiert als Cottas Brief kam,
worin er die Absendung an alle Autoren ankündigte, worauf ich meine Absicht aufgab
und das Buch anderweitig
verwendete. Da ich aber Ihrem heute eingetroffenen liebenswürdigen
Briefe entnehme, daß Cotta noch nichts gesandt hat, so sende ich Ihnen persönlich ein Buch; zugleich |verständigte ich Cotta davon, damit Sie nicht durch ein Duplikat belästigt werden.
Daß Ihnen mein Essai in der Nord. Allgem. zu Gesichte
gekommen, hat mich nicht wenig überrascht, da das Blatt in den Wiener Cafés fast nirgend aufliegt; und Sie haben vom Artikel sogar mehr gelesen als
ich selber, der ich bisher nur den 1. Teil erhalten habe.
Ich erhielt ihn – was fast romanhaft zufällig aussieht – an demselben Tage, an dem
ich Ihnen darüber geschrieben hatte.
Wenn er vollständig erschienen ist – es dürften 4 Teile werden – will ich mir erlauben, ihn Ihnen
als Ganzes zu übersenden mit der Bitte ihn zu behalten.
Sie dürfen, geehrter Herr Doktor, versichert sein, daß mein Urteil darin ganz ehrlich
meine Überzeugung ausdrückt, und ich glaube, daß Ihr |Einwand, es sei in Manchem zu günstig
ausgefallen, zu bescheiden ist; hab’ ich doch meine Bedenken, die allerdings nur sehr
vereinzelt sind, unumwunden, fast derb geäußert.
Ich bitte auch eine Äußerung, die ich am Schluße des ganzen Essais gemacht habe, lediglich als allgemein, nicht als persönlich aufzufassen. Nichts wäre mir peinlicher, als Sie zu verletzen.
(Schwarzkopf kennt meine diesbezügl.
Ansichten so ziemlich).
Der beste Gradmesser für meine Hochschätzung Ihrer Kunst ist übrigens, wie mir
scheint, nicht so sehr meine Anerkennung in Worten als vielmehr die Folie, die Sie
durch die übrigen besprochenen Autoren erhalten, die ich nichts weniger als
zart angefaßt und von denen mir nur einer wert ist – Beer-Hofmann.
Mit dem Ausdrucke vorzüglicher
Hochachtung
Theodor vSonosky
Hochachtung
Theodor vSonosky
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