|8 VII 93

Lieber Freund!

Besten Dank für Ihren Brief; es war nett von Ihnen, daß Sie geschrieben haben. Eigentlich habe ich Ihnen nur das zu sagen, denn mitzuteilen gibt es nichts. Sie müssen das begreiflich finden. Wenn Sie unter so günstigen Bedingungen – Ischl, Ausblick auf die »herrliche Natur« vorzüglich Eigene – nichts erleben und noch nicht einmal zur Empfindung reinen Glückes gelangt sind, wie soll ich |es hier? Sie können sich leicht denken, daß meine Sommer Existenz jetzt nicht besonders anregend ist. Das Einzige, was meinem Leben in den letzten Wochen einen Inhalt gab: die neue Köchin, bringt nun auch keine Überraschungen mehr. –
Von Loris hab ich gestern Nachricht bekommen; er ist mit seinen Eltern schon wieder in der Fuschsie haben es in Gossensass nur zwei Tage ausgehalten.Rudolf befindet sich leidlich, er klagt zwar immer |und ist in beständiger Angst, aber wir sind ja schon zufrieden, wenn seine Angssich als grundlos erweist. Die nächste Woche muß er zum großen Teil in Wien zubringen, um seine Arbeit zu machen. Wenn es nur schon glücklich vorüber wäre!
Meine Brüder danken herzlich für Ihre Grüße und erwidern dieselben bestens. Den Gruß an Herrn Wachtel werde ich bestellen, die geforderten »Kühle« werde ich leicht aufbringen. Wo aber soll ich die frivole Wärme für den Gruß an die Tini hernehmen? Da werde ich wol vorher einige Scenen aus Anatole lesen müssen |um mich zu stärken und in würdiger Weise vorzubereiten.
Sie verständigen mich doch wenn Sie wieder in Wien sind?
Herzlichst
Ihr
Gustav Schwarzkopf
Bitte, bestellen Sie an Dr  B. Hofmann meine allerbesten Grüße
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