Lieber Arthur, die beiden An
sichtskarten
aus
Predazzo und
Martino habe ich
Samstag re
spek.
Sonntag, al
so er
st nach
Ab
sendung meiner
Karte
erhalten. Warum
sind Sie nicht länger im
Martino geblieben? Hat es Ihnen nicht zuge
sagt? Aus der Tat
sache, daß Sie einen
Brief von mir beko
mmen –
um meine Ankunft anzuzeigen, hätte ja eine Karte genügt – werden Sie
schon erraten
haben, daß ich nicht die Ab
sicht habe nach
Ischl zu ko
mmen. Meine Trägheit, die Unlu
st etwas zu
begi
nnen oder gar eine Veränderung mit mir
selb
st
vorzunehmen, i
st
so groß geworden, daß ich die notwendige Energie
|nicht aufbringen ka
nn. Das klingt unwahr
scheinlich, wie eine Ausrede, aber
es i
st wirklich
so, glaub mir. Selb
stver
ständlich ka
nn
man
sich von die
ser Apathie durch einen Ruck befreien, und das würde ich wol auch
tun, we
nn ich nicht wüßte, daß Sie in vier Wochen ja doch
wieder in
Wien sein werden. Jetzt würden Sie
übrigens einen
schlechten Ge
sell
schafter an mir haben, – Sie wi
ssen ja
schon, was das
bei mir heißt – der Ihre »mäßige Sti
mmung« nur
ver
schlechtern kö
nnte. Ich bin gründlich ver
sti
mmt,– ganz wörtlich zu nehmen –
|wie ein In
strument, das lange nicht
ge
spielt wurde. Seit einem Monat hab ich ja
so
selten ge
sprochen – nur hie und da mit
Ebermann und
Kapper – und dafür
soviel Unnützes und Unerfreuliches gedacht. –
Ebermann rei
st Ende die
ser Woche fort nach
Salzburg,
wird da
nn auch nach
Ischl ko
mmen. – »Denk mal an«, vorge
stern habe ich hier
Adele Sandrock ge
sprochen. In meiner Straße, auf dem »
tiefen
Graben«. Sie hatte die Gnade mich anzu
sprechen, ich hätte es gewiß nicht
getan;
sie
sieht gut aus, wird
stark, was
sie
sehr be
sorgt macht,
|und erzählte mir, daß
sie 180 mal
ge
spielt und alle Stücke
selb
st in
scenirt
hen↓und↓ glänzende Ge
schäfte gemacht habe. »In meinem Koffer i
st jetzt der Ehrgeiz
tief unten verpackt und das Checkbuch ganz oben«
sagte
sie.
Buchbinder kö
nnte aus die
ser
Begegnung zwei reizende Feuilletons machen. Als wir uns verab
schiedet hatten, dachte
ich mir: Gut i
st es nur, daß sie gewiß läng
st meinen Namen verge
ssen hat,
son
st würde
sie doch
sicher erzählen: »Neulich habe ich den
Schw.,
die
sen aus dem Zuchthaus ent
sprungenen Idioten getroffen –.« – – –
Bitte, empfehlen Sie mich allen Mitgliedern Ihrer Familie und grüßen Sie auch Ihre
lieben kleine
Neffen
herzlich
st vom »Onkel Glatzkopf«.