|11. V. 04
Lieber Arthur, ich habe ihn gefunden, den »reinen Tor«, er war in dem kleinen Schrank. Bei der
Gelenheit habe ich den wirklichen reinen Tor, Ihren Heini gesehen. (Ihre Frau wird diese Benennung hoffentlich nicht als
Herabsetzung der geistigen Fähigkeiten Heini’s
empfinden) Er hat mich sehr gnädig empfangen, hat mir alle seine Kunststücke
vorgemacht, hat unter Musikbegleitung bereitwilligst vor mir getanzt, ohne auch nur
den allergeringsten Kopf dafür zu verlangen. Dann hat er
mir |erzählt, daß er im »Ratauspak« den »Binngbunnen« gesehen hat und daß er eine »Snitzler
Locke« hat. (Man hat ihm wirklich eine gemacht, seine Mittel erlauben ihm das
bereits) Auch über seinen Gesundheitszustand können Sie
beruhigt sein, denn er hat, gleichsam als Glanznummer und letzte »Production« in meiner Gegenwart gezeigt,
daß alles tadellos funktioniert und daß er nicht an Verdauungsstörungen leidet.
Kurz, ich habe mich mit ihm besser unterhalten als neulich im »Carl Theater« bei »Tal des Lebens«. Es war nicht
meine |Wahl, ich wurde mitgenommen.
Das Stück ist eine nette
Anekdote, die für einen Act reichen würde, und die mit primitiver Technik zu vier
Acten zerdehnt wird. Hie und da ein hübsches Witzwort, aber alles wird zehnmal gesagt
und jede Zweideutigkeit so gehetzt und breitgetreten, bis sie den letzten Rest von
Pikanterie verliert. Darstellung (bis auf die Triesch) Ausstattung, Regie unwahrscheinlich schlecht. Es ist auch ganz
abgefallen, nur der dritte Act hatte Beifall. Die Kritik ist diesmal dem Gastspiel gegenüber recht kritisch, das Publikum sehr kühl,
aber gute Häuser machen sie doch, denn es ist kalt und
unfreundlich, der Frühling ist wieder einmal |ein »grünangestrichener Winter«, ein
richtiges Brahm-Wetter. Ob er aber mit seinen drei Stücken doch das
Auslangen finden wird? Vielleicht kommen Sie doch noch
daran. – Angelo tut so, als ob er wirklich Ernst machen wollte, er hat so dringend die beiden
Exemplare verlangt als ob die Proben demnächst beginnen sollten.– Hofmannsthal reisen am 18.
fort, wie mir der Page gestern erzählte. –
Daß ich nichts Mitteilenswertes erlebt habe, glauben Sie mir wol, ich bezweifle aber
doch nicht, daß die Welt an sich schön ist.
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