Lieber Arthur, ich habe ihn gefunden, den »
reinen Tor«, er war in dem kleinen Schrank. Bei der
Gelenheit habe ich den wirklichen reinen Tor, Ihren
Heini ge
sehen. (Ihre
Frau wird die
se Bene
nnung hoffentlich nicht als
Herab
setzung der gei
stigen Fähigkeiten
Heini’s
empfinden) Er hat mich sehr gnädig empfangen, hat mir alle
seine Kun
st
stücke
vorgemacht, hat unter Mu
sikbegleitung bereitwillig
st vor mir getanzt, ohne auch nur
den allergering
sten Kopf dafür zu verlangen. Da
nn hat er
mir
|erzählt, daß er im »
Ratauspak« den »Bi
nngbu
nnen« gesehen hat und daß er eine »Snitzler
Locke« hat. (Man hat ihm wirklich eine gemacht,
seine Mittel erlauben ihm das
bereits) Auch über
seinen Ge
sundheitszu
stand kö
nnen Sie
beruhigt
sein, de
nn er hat, gleich
sam als Glanznu
mmer und letzte »Production« in meiner Gegenwart gezeigt,
daß alles tadellos funktioniert und daß er nicht an Verdauungs
störungen leidet.
Kurz, ich habe mich mit ihm be
sser unterhalten als
neulich
im »Carl Theater« bei »
Tal des Lebens«. Es war nicht
meine
|Wahl, ich wurde mitgenommen.
Das
Stück i
st eine nette
Anekdote, die für einen Act reichen würde, und die mit primitiver Technik zu vier
Acten zerdehnt wird. Hie und da ein hübsches Witzwort, aber alles wird zehnmal ge
sagt
und jede Zweideutigkeit
so gehetzt und breitgetreten, bis
sie den letzten Re
st von
Pikanterie verliert. Dar
stellung (bis auf die
Triesch) Aus
stattung, Regie unwahr
scheinlich
schlecht. Es i
st auch ganz
abgefallen, nur der dritte
Act hatte Beifall. Die Kritik i
st diesmal dem
Gastspiel gegenüber recht kriti
sch, das Publikum
sehr kühl,
aber gute Häu
ser machen
sie doch, de
nn es i
st kalt und
unfreundlich, der Frühling i
st wieder einmal
|ein »grünange
strichener Winter«, ein
richtiges
Brahm-Wetter
!↓.↓ Ob er aber mit
seinen drei
Stücken doch das
Auslangen finden wird? Vielleicht ko
mmen Sie doch noch
daran. –
Angelo tut
so, als ob er wirklich Ern
st machen wollte, er hat
so dringend die beiden
Exemplare verlangt als ob die
Proben demnäch
st begi
nnen
sollten.–
Hofmannsthal rei
sen am
18.
fort, wie mir der Page ge
stern erzählte. –
Daß ich nichts Mitteilenswertes erlebt habe, glauben Sie mir wol, ich bezweifle aber
doch nicht, daß die Welt an sich schön ist.
Ihre
Frau und Sie
herzlich
st grüßend,
Ihr
Gustav
[handschriftlich Max Schwarzkopf:] Natürlich habe ich Grüße von
Heini zu be
stellen
Sie und Ihre
Frau grüßt
herzlich
st
Max.