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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 9. 12. 1892
Torresani, Carl von
Rom
Empfang: [10. 12. 1892 – 14. 12. 1892?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 106
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.237 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Carl von Torresani an Arthur Schnitzler, 9. 12. 1892. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04326.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04326«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 9. 12. 1892

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Carl von Torresani an Arthur Schnitzler, 9. 12. 1892

9. 12. 92.

Mein hochverehrter Herr Doktor!

Auf das allerfreudigste wurde ich vor nun cca 14 Tagen durch das Eintreffen ihres Buches: Anatol überrascht, für dessen Sendung und liebenswürdige Widmung ich hiemit meinen wärmsten Dank ausspreche.
Ich wollte nicht schreiben, bevor ich das Buch mit der Gründlichkeit u Aufmerksamkeit, wie es als Ihre Arbeit verdient, gelesen haben würde. Das ist nun geschehen |und ich kann Ihnen nur sagen, daß ich bedauere, zu Ende zu sein. Es ist geistreich von Anfang zum Schluße. Der subtil zersetzende, wühlende, analysirende Geist, der das ganze durchdringt, das Gefühl zum Sündenbock der Vernunft macht, erinnert lebhaft an Maupassant mit dem Sie auch die Kraft und Prägnanz des Ausdrucks gemeinsam haben, – während die dialogisierende Form in Ihrer französischen Feinheit an Gyp anklingt. Als die Perle der Sammlung möchte ich »Denksteine« bezeichnen. Der Schluß ist |meisterhaft, unerwartet, überwältigend – und so psychologisch berechtigt. — Einige Aphorismen möchte ich wirklich den besten die ich kenne einreihen; so zB dieses: »gewisse Arten den Wahrheit sind nur die Aufrichtigkeit ermüdeter Lügner«. Der Ausdruck: Hypochonder der Liebe, jener andere: »leichtsinniger Melancholiker« entzücken mich durch ihre Richtigkeit. Kurz, die Lektüre ist mir ein Genuß gewesen. Nehmen Sie meine aufrichtigsten Complimente –
Was macht Ihr Stück: »Das Märchen?« Ich habe nie versäumt, in der N.F.P unter den »Theaternachrichten« danach zu schauen, habe es aber, bis |jetzt nicht finden können.
Ich schicke diesen Brief auf Gut Glück an Ihre alte Adresse, überzeugt daß er Ihnen schließlich zukommen wird. Bitte mir Ihre neue möglichst umgehend mitzutheilen; ich möchte Ihnen mein soeben erschienenes »Oberlicht« auf sichere Weise zukommen lassen. Auch würde ich Ihnen, bester Herr Doctor, sehr für die Angabe von H. Bahrs Adresse verbunden sein.
Wir sitzen hier in Wärme u Sonnenschein, gehen ohne Mäntel aus, u lesen mit angenehmem Gruseln Berichte über Frost u Schneeverwehungen aus den Binnenländern. Bitte grüßen sie mir herzl. Salten, Bahr, Loris, Beraton, Beer-Hoffmann, u die andern Herrndes »allerjüngsten« u lassen Sie sich selbst herzl. die Hand drücken von Ihrem in wirklicher Verehrung ergebnen
Torresani
    Bildrechte © University Library, Cambridge