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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: [Anfang August] 1891
Hofmannsthal, Hugo von
Wien
Empfang: [1. 8. 1891 – 5. 8. 1891?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 43
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.271 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift datiert: »Anf Jul 91«
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »3«
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal: Briefe. 1890–1901. Berlin: S. Fischer 1935, S. 23–24.
Veröffentlichung 2
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 10–11.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [Anfang August] 1891. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00026.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00026«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 1. 8. 1891

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [Anfang August] 1891

|Ich danke Ihnen wirklich für Ihren Brief. Sie müssen ihn sehr schwer geschrieben haben. Ich habe das damals empfunden und empfinde es jetzt wieder.
Damals – um mich, als ich ihn las, standen Robert und Olga Hirschfeld, Schwarzkopf und Boris Fan-Junk – berührte er mich wie eine Erinnerung an Längstvergessenes, Unerreichbar-fernes. Sie fragten nach meinen Arbeiten. Sie gedachten gemeinsamer Pläne. Um mich und in mir waren neue Dinge, Gleiten, Plätschern, Rieseln, Auflösung, vages Verschwimmen. Ich kann nicht arbeiten. Heute so wenig als damals. Noch weniger |vielleicht. Ich gleite, ich treibe. Kein Gedanke crystallisiert sich und es wird kein Vers. Ich kann nicht weiter denken als Stunden.
Aber mir ist wohl. Anders wohl, neu wohl, wechselnd wohl. Ich fühle mich wachsen. Wollt ich mich zwingen, müsst ich verzweifeln, abwartend sehe ich mir fluthen zu und empfinde ein glückliches Michbescheiden, das gute Schwestergefühl zur Resignation. Wäre nur mehr Sonne. So aber bin ich verschnupft und krank möcht ich nicht werden, denn ich kann jetzt das Alleinsein nicht brauchen. Wenn Sie vielleicht in der Kunstchronik meinem Salzburgerbericht begegnenso lassen Sie sich von mir |ein paar Vorworte sagen. Ich habe dort in 4 Tagen und 2 Nächten die concentrierteste Menge von Eindrücken zusammengetrunken, die mein Nervensystem überhaupt vorläufig erträgt. Den Bericht habe ich im vollständigen Halbschlaf geschrieben in dem seltsamen Zustand, wo das Gehirn lose Bilder, Gesprächstheile der letzten Nacht mit schmerzender Deutlichkeit bis zum Ekel reproduciert. Wenn der Bericht überhaupt deutsch ist (ich habe ihn noch nicht bekommen) dann schläft in mir ein unbewusster Reporter, qui parfois se réveille wie Ste. Beuve sagt. Dr Hoffmann hat mir auf einen 4 Seiten langen Brief nach Wien nicht geantwortet; ich habe ihm nach |Markt-Aussee (??) geschrieben er soll doch zum Teufel hieher kommen. Warum kommt er denn nicht?!!! Ich arbeite garnichts und hoffe daß die Comités der Freien Bühne das Gegentheil thuen.
Während der Eisenbahnfahrt nach Wien (15 Septemberschreibe ich
1.) die letzte Scene von »Gestern«
2.) Maurice Barrès, eine Studie
3.) eine psychologische Novelle aus einem 12jährigen Kinderkopf
4.) Conway, der Novellist der Telepathie
5.) das grosse Buch von l 1891 in England.
Telle est la vie!
Loris.
    Bildrechte © University Library, Cambridge