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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 19. 7. [1892]
Hofmannsthal, Hugo von
Bad Fusch
Empfang: [20. 7. 1892 – 24. 7. 1892?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur UK, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 43
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.647 Zeichen (aufgeprägtes Wappen)
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift die Jahreszahl ergänzt: »92«
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »26«
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal: Briefe an Freunde. In: Die neue Rundschau, Jg. 41, Nr. 4, April 1930, S. 512–513.
Veröffentlichung 2
Hugo von Hofmannsthal: Briefe. 1890–1901. Berlin: S. Fischer 1935, S. 48–50.
Veröffentlichung 3
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 23–24.
Veröffentlichung 4
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 25.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 19. 7. [1892]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00105.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00105«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 19. 7. 1892

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 19. 7. [1892]

|Fusch. 19. Juli.

lieber Arthur,

an Ihrem guten und lieben Brief stört mich nur die Nachricht, wie viel Arbeit Sie sich jetzt zumuthen wollen. Deshalb wünsche ich für Sie sosehr den äußeren Erfolg, den Sie als Künstler vor sich selbst und vor uns gewiss nicht nothwendig haben, damit sich die Perspectiven, in denen Sie selbst und Ihr Vater Ihr äußeres Leben, Ziele, Pflichten und Stil der Lebensführung, anschauen, endlich ändern. Vorläufig ist es ja sehr gut, dass Sie nachts schaffen und so reich und lebhaft aufnehmen können, wie Ihre Hebbeleindrücke dies zeigen. Gewiss ist Hebbel ein sehr großer, tiefer und reicher Geist, mit den innerlichsten und eindringendsten |Anschauungen vom Wesen der Naturdinge und des Menschen, aufwühlend und anregend wie keiner sonst, sodassich einem die geheimsten, sonst erstarrten inneren Tiefen regen und das eigentlich Dämonische in uns, das naturverwandte, dumpf und berauschend mittönt. Eine Überschrift bei Goethe irgendwo: »Urworte; orphisch« suggeriert mir immer den Duft der Poesie Hebbels.
Papa ist befriedigend wohl und grüßt Sie, Bahr und Salten.
Ich habe mich vor einer gewissen inneren Öde und Abspannung in die Tragödie gerettet; eine 5 actige Renaissancetragödie, dramatisierte Novelle, äußerlich im Stil von Romeo u. Julie, für die wirkliche brutale Bühne gearbeitet, mit |großem, schlankem Aufbau und grellen Farbenflecken, Freskotechnik; ich hoffe vorläufig noch genug lebendige Psychologie in mir zu haben, um das große Gerippe mit lebendigem Fleisch zu umkleiden; ich arbeite ohne Scenarium, mit einzelnen, suggestiven Notizen; geschrieben habe ich bis jetzt ein paar Scenen aus dem 2ten und eine aus dem 5ten Act; das ist zwar nicht viel aber ich sehe alles andere recht deutlich und arbeite leicht. Was mich lockt und worauf ich eigentlich innerlich hinarbeite, ist die eigenthümlich dunkelglühende, dionysische Lust im Erfinden und Ausführen tragischer Menschen in tragischen Situationen; diese Lust, deren symbolisches Aequivalent etwa das Anhören |feierlicher, prunkvoll-trauriger Musik ist oder das Anschauen mancher Bilder der Renaissance, mit dunkelgoldnen Panzern und blassen schönen Profilen auf sehr finsterem Grund. Es wäre sehr schön, wenn Octobernachmittage würden, mit diesen zwei Lesepremièren. Wie weit ist die Familie? Richard schreibt mir, ungern und nur weil er von Papas Krankheit gehört hat; er ist verstimmt, arbeitet aber doch an einer seiner Novellen. Wann ist Ihre Waffenübung? was ist es mit der Verlagsanstalt für Anatol? lassen Sie sich doch ja nicht durch ganz gleichgiltige Misserfolge vom Weitersuchen abschrecken. Bitte, schreiben Sie mir bald, Briefe bekommen ist hier das lustigste.
Loris.
    Bildrechte © University Library, Cambridge