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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 5. 2. 1894
Saar, Ferdindand von
Rájec-Jestřebí
Empfang: [6. 2. 1894 – 10. 2. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.5739
Typ Brief
Beschreibung Fotografische Vervielfältigung, 2 Blätter, 3 Seiten, 2.638 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift (?) nummeriert: »2«

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Ferdinand von Saar an Arthur Schnitzler, 5. 2. 1894. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00296.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00296«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 5. 2. 1894

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Ferdinand von Saar an Arthur Schnitzler, 5. 2. 1894

|Raitz in Mähren, 5 Februar 1894.

Sehr geehrter Herr Doctor!

Sie werden nicht am besten von mir denken, weil ich Ihnen über die Werke, welche Sie mir so überaus freundlich und anerkennend gesendet, noch immer kein Wort geschrieben hatte. Aber erst hier, wohin ich mich aus dem hirn- und nervenzerrüttenden Trubel des Wiener Lebens vor vier Wochen zurückgerettet, war es mir möglich, die Bücher mit der nöthigen Sammlung vorzunehmen. Und da muß ich Ihnen dann gleich sagen, daß mir Ihr »Anatol« ungemein gefallen hat. Das ist ein hochinteressantes, geistvolles Buch, das von großer Welt- und Weiberkenntniß zeugt. Frisch und flott, wie es geschrieben ist, gewährt es Einem beim Lesen großen Genuß. Das »Märchen« ist gewissermaßen eine concentrierte Vertiefung der Anatol-Themen und hat, da ich ähnliche Seelenqualen und Conflicte in meinem Leben oft genug durchgemacht, sehr stark auf mich gewirkt. Daß es sich auf der Bühne nicht halten konnte, daran ist, meiner Meinung nach, nur der Umstand schuld, daß Sie die Gestalt Fannys nicht genug verdichtet, nicht genug herausgearbeitet haben. Ich glaube, die modernen jungen Dramatiker |schaden sich sehr, indem sie gewissermaßen unbedingt den Spuren Ibsen’s folgen. Dieser war es, der zuerst den Monolog aus dem Drama hinausgedrängt hat. Ich aber behaupte, daß der Monolog absolut nothwendig ist – und zwar als Moment – wenn auch nicht der Selbsterkenntniß, so doch der Selbstbeobachtung, ohne welche kein Mensch (der diesen Namen beansprucht) jemals sein wird und sein kann. Würde Fanny nur ein einziges Mal ihre Stellung zu Denner in ernster Selbsteinkehr überdacht, würde sie ihr Gesicht geprüft – und dasselbe wahr und echt vor ihrem Gewissen befunden haben; dann wären auch wir überzeugt und würden ihr Schicksal als ein tragisches erkennen. So müssen wir, wie Denner, an Worte und Betheuerungen glauben – oder nicht, glauben, wie er selbst. Die anderen Figuren sind ganz prächtig, und, wie gesagt, das Stück hat mich, nicht blos stellenweise, sondern im Ganzen ergriffen, wenn ich auch, was die Durchführung betrifft, nicht immer mit dem Verfasser übereinstimmen konnte. Nach diesen unter allen Umständen sehr hervorragenden Leistungen erschien mir »Alkandis Lied« weniger bedeutend, wiewohl es als ganz hübsche Satire auf den Nachruhm gelten kann.
Verzeihen Sie mir mein »Geradezu« und die knappe Fassung desselben. Aber ich bin |ein schlechter »Zerleger« – und überhaupt ein mangelhafter Briefschreiber. Aber was ich sage, kommt mir vom Herzen, und in diesem Sinne drücke ich Ihnen mit aufrichtigen Glückwünschen die Hand und bitte Sie, überzeugt zu sein, daß ich mit wahrster Hochachtung bin
Ihr Ferdinand von Saar.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar