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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 11. 5. 1899
Brandes, Georg
Empfang: [11. 5. 1899 – 15. 5. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 17
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.692 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »15«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 75–76.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 11. 5. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00916.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L00916«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 11. 5. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 11. 5. 1899

|Kopenhagen 11 Mai 99
LiebsterSie haben mich sehr geehrt, indem Sie mir Ihren Schmerz gesagt haben. Sie wünschen, dass ich darüber nichts sage, ich antworte nur: ich habe selbst viel erfahren, Verluste gelitten, bisweilen recht Hartes ausgestanden; Sie sind jung, ich bin alt,ich wage deshalb sonst keinen Vergleich, ich glaube aber, wir habenEins gemeinsam, den inneren Born, den unversiegbaren Lebenstrieb, dem das Leben immer wieder werth wird.
Ich kann dies sagen, denn meine Lage scheint meine Worte zu verspotten. Seit 5 Monaten liege ich zu Bett. Ich heile nicht. Eine Entzündung der Venen folgt bei mir immer der anderen, bisweilen bricht die Entzündung auf ein Mal an drei Stellen aus. 5 Monate im Gefängnis machen eine lange öde Zeit. Ich erhalte mir das Leben |durch Lesen und Schreiben, erhalte auch bisweilen Besuche. Man hat hier eine Volksausgabe meiner Schriften angefangen (Peter Nansen Ihr guter Bekannter ist der Urheber) und sie scheint Erfolg zu haben. Man hat circa 5000 Subscribenten und druckt 6000 Exemplare. Es erscheinen alle 14 Tage 10 Bogen, und es wird etwas über 3 Jahre dauern. Dennoch gehören einige meiner grösseren Schriften nicht diesem Verlag. So viel Papier habe ich armer geschwärzt.
Madame Marni, die ich übrigens nie gesehen habe, schrieb mir, dass Goldmann bei ihr gewesen war und sich mit Freundschaft meiner erinnert hatte, was mich erfreute. Richard Beer Hofmann gibt mir nie |ein Lebenszeichen.
Wie gut dass Sie nicht von jenem Schriftsteller heimgesucht wurden! Lasen Sie den kl. Aufsatz pro patria den ich in der Zukunft vom 7 April hatte? Neue fr. Presse und Die Zeit verweigerten, ihn zu drucken. Die Oesterreicher sind preussischer als die Preussen. Das arme Skandinavien, man peinigt im Süden die Schleswiger, im Norden die Finnländer.
Ich erhalte Gottlob täglich von den meisten Gegenden Europas Briefe und Bücher, sonst wäre ich in meinem Elend zu Grunde gegangen. Ich lese stetig L’Aurore und Le Siècle, folge so von Tag zu Tag dem Verlauf der Begebenheiten in Frankreich. Welches Stück Seelenlehre! Ich habe in meinem |Leben wenig so Lehrreiches gelesen.
Ihr Buch habe ich noch nicht erhalten; ich werde es mit derselben ernsten Aufmerksamkeit lesen, womit ich Ihnen immer folge. Ich las kürzlich das Vermächtnis wieder; es verdient, dass man dazu zurückkehrt. Ein kleiner dummer schwedischer Journalist hatte Sie vor einigen Tagen in einem Stockholmerblatt, das mir zugeschickt wird, angegriffen; es brannte mir die Finger, dagegen zu schreiben, habe es nicht gethan, weil ich ein wenig müde bin und soviele Correcturen täglich zu besorgen habe, thue es vielleicht noch. Doch ich kann Ihnen vielleicht einmal auf bessere Weise nützlich sein.
Ich drücke Ihnen die Hand.
Ihr Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge