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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 9. 4. 1900
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [10. 4. 1900 – 14. 4. 1900?]
Hofmannsthal, Hugo von
Paris
Textzeuge 1
Signatur D, Frankfurt am Main, Freies Deutsches Hochstift, Hs-30885,92
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 6 Seiten, 2.513 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift Beide Blätter von Schnitzler mutmaßlich bei der Durchsicht der Korrespondenz 1929 mit »9/4 900« datiert
Veröffentlichung 1
Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler: Briefwechsel. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1964, S. 137–138.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 9. 4. 1900. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01031.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01031«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 9. 4. 1900

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 9. 4. 1900

|9/4 900.
mein lieber Hugo, heute Vormittag habe ich Ihren Papa gesprochen, und ihn zu meiner Freude so vortrefflich aussehend und bei so guter Stimmung getroffen, wie nur einer sein kann, der morgen wieder aufsteht. Ich war gestern früh gleich nach meiner Ankunft bei Ihrer Mama und fand sie schon vollkommen beruhigt und hauptsächlich froh über die viele Sympathie von allen Seiten, die bei dieser Gelegenheit sich aussprach. |Soweit ich (ohne Untersuchung) das ganze beurtheilen kann, scheint mir eine organische Erkrankung (des Herzens) vollkommen ausgeschlossen; ich weiss nicht einmal, ob es richtig ist, von »Anfällen von Herzschwäche« zu sprechen; mir kommt der vagus als der schuldige vor, und als ich heute vor Ihrer Mama von vagus Neurossprach, sagte sie, Dr. Schandlbauer habe dieselbe Vermuthung ausgesprochen. Jedenfalls dürfen Sie so vergnügt und unbesorgt weiterleben als vorher. Allerdings kommt’s |mir sehr fraglich vor, dass Ihre Mama sich entschließen wird, Ihren Papa zu Ihnen nach Paris fahren zu lassen; das ist ganz begreiflich. Ich höre immer wieder, von Richard und von Ihrer Mama, dss Sie sich so wohl fühlen und mit Lust arbeiten, und so freue ich mich nicht nur auf Sie sondern auch auf das, was Sie mitbringen werden. Ich war auf meiner Reise eigentlich nur in den Stunden ziemlich gut dran, in denen ich geschrieben habe; – |das Wetter war selten schön, nur in Ragusa 3 klare Tage, aber da wars für Ragusa und für Anfang April doch zu kühl. In Abbazia hat es ununterbrochen gegossen; dort war ich viel mit Georg Hirschfeld zusammen, zu dem ich neue Sympathie gefasst habe. Elly liebe ich aber noch immer nicht. Es war mir auffallend, wie viel ich auf meiner Reise geträumt habe; so lebhaft und bewegt wie nie, und meine Todte ist mir vier oder fünf Mal erschienen. |Der sonderbarste von allen Träumen war der, dss ich träumte, ich hätte drei Träume gehabt, die mir den Tod vorhergesagt und erzählte jemandem diese 3 Träume, nach dem Aufwachen erinnerte ich mich nur an einen davon deutlich. – Ich bin noch immer an der langen Novelle, vor Ostern wird sie doch fertig, dann dictir ich sie; fange aber gleich was neues an, entweder eine kurze Geschichte oder dieses Sommerstück; – eigentlich hab ich ein Gefühl von Unerschöpf|lichkeit wie nie zuvor, aber es ist mehr theoretisch, – macht mich nicht besonders glücklich. Ich empfinde meinen Verlusschwerer und sichrer als je.
Leben Sie wohl und schreiben Sie mir bald ein Wort.
Von Herzen Ihr Arthur.
Ich hoffe Sie haben meinen Brief (aus Wien) und auch die Karten aus Dalmatien bekommen.
Wien, 9. 4. 900.
    Bildrechte © Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main