mein guter lieber Arthur
schon gleich beim Betreten dieses Hauses am 1tenJuni habe ich mit herzlicher Freude Ihren lieben Brief gefunden, und es ist mir
fast unbegreiflich, dass 17 Tage vergehen konnten, wo ich wirklich jeden Tag daran
dachte, Ihnen zu schreiben, und immer wieder die eine Viertelstunde sich wegrückte.
Allerdings hab ich in diesen Tagen mit ziemlicher Hast und ziemlich viel Einfällen
den letzten Act des Ballets
endlich ausgeführt, so dass von nun an dieses ziemlich umfangreiche Ding, dessen
Werth oder Unwerth ich absolut nicht abschätzen kann, unter meinen Arbeiten existiren
wird. Hoffentlich kann ichs Ihnen im Herbst vorlesen und es missfällt Ihnen
nicht.
Dieses Aneinander-vorüber-schweben in Innsbruck
hat mir damals recht leid gethan. Hätte man nicht ein paar Stunden zusammen sein
können? ich glaube dass wäre für alle vier ein freundlicher Eindruck
gewesen. Auch ist doch von Gerty eine
Indiscretion eben so wenig zu fürchten wie von mir und überdies hätte man ihr den
Familiennamen der andern gar
nicht zu sagen gebraucht. Wir sind an diesem Abend noch ins Hofgartengasthaus nachtmahlen gegangen, dem einzigen Ort, wo man
»im Freien nachtmahlt« und ich habe sehr gehofft, |dass wir uns dort begegnen würden,
es ist aber leider nicht der Fall gewesen.Mit dem
Haus und dem Leben hier bin ich sehr zufrieden, ich will aber nicht viel darüber sagen, sondern freue mich darauf, es Ihnen zu zeigen. Jetzt wüsste ich schon gerne,
wo ich mir vorstellen soll, dass Sie sind.Ich will
nun möglichst bald anfangen, das große figurenreiche und tragische Stück zu schreiben, dessen Stoff mir von
Browning überliefert ist.
Ich freue mich sehr auf einen Brief von Ihnen.
Von Herzen Ihr
Hugo.
Hugo.
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