Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 14. 12. 1904
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [14. 12. 1904 – 18. 12. 1904?]
Bahr, Hermann
Wien
Textzeuge 1
Signatur A, Wien, Theatermuseum, HS AM 23368 Ba
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 3.106 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung Lochung
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 504–506.
Veröffentlichung 2
14. 12. 1904. In: Arthur Schnitzler: The Letters of Arthur Schnitzler to Hermann Bahr. Edited, annotated, and with an introduction, by Donald G. Daviau. Chapel Hill: The University of North Carolina Press 1978, S. 86–87 (University of North Carolina studies in the Germanic languages and literatures, 89).
Veröffentlichung 3
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 333–334.

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 14. 12. 1904. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01477.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01477«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01477.html |titel=Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 14. 12. 1904 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1904-12-14 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 14. 12. 1904

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 14. 12. 1904

|Wien 14. 12. 904
mein lieber Hermann, es beschämt mich fast, dass du über ein im Ganzen doch ziemlich unbeträchtliches Ding wie es der Puppenspieler ist (er gehörte in den Cyclus Lebendg Stunden, aber wegen zu großer Länge des Abends mußte er zurückgesetzt werden) – sschöne Worte sagst. Vielleicht drücke ich mich besser aus, wenn ich sage: anläßlich des Puppenspielers. Denn deiner Auffassung des kleinen Stücks muss ich widersprechen. Vielleicht hab ich nicht das Recht dazu, denn es werden ja doch wahrscheinlich künst|lerische Mängel der Sache schuld daran sein, dass du eine Lebensanschauung darin findest, die ich nicht hineinlegen wollte und die mir persönlich fremd ist. Ebenso verhält es sich mit dem Eins. Weg. Ich stehe so wenig auf Seite des Oboëspielers, als ich auf Seiten des Professor Wegrath gestanden habe – freilich auch nicht auf der des Julian und des Puppenspielers. Aber warum? Weil sie eben nicht ganze Kerle sind, keine Leute die – nach der dir bekannten Anekdote von der alten Streitmann – »brav genug« sind – um alles zu dürfen. Wäre der Puppen|spieler wirklich ein »Großer«, so bräuchte er sich nicht in Lügen einzuspinnen, um der größere zu bleiben – wäre Julian wirklich ein Großer – so würde das beste seines Wesens nicht mit seiner Jugend auslöschen. Gegen die Herzöge und gegen die Sala’s hab ich nichts – und vor den »Großen Räubern« salutir ich, gleich dir, in Ehrfurcht. Du hast ganz recht: »Entsagung ist nicht immer Reife.« – – nur setze ich hinzu: nicht bei allen. Wenn Individuen wie Wegrath in irgend einem Moment ihrer Existenz die Grenzen ihrer Begabung erkennen, – |so ist diese Entsagung, wie jede Erkenntnis innere Reife, oder wenigstens ein Symptom innerer Reife. Ebenso ist für den Oboëspieler wirklich der »Innere Friede und die schuldbefreite Brust« das einzig erreichbare Glück. Und dass ein Mensch wie der »Puppenspieler« nicht, wie es eben den Beschränkungen seines Wesens angemessen wäre, zu entsagen im Stande ist, sich vielmehr dieser Entsagung und daher den andern u sich ein falsches Eigenschicksal vorspielt – ist ein Zeichen, dass er innere Reife nicht erlangte, welche eben nur in Selbsterkenntnis bestehen kann. Es ist |also nur natürlich, dass bei manchen Menschen, insbesondre bei klugen, von mäßigem Talente und stillem Temperamente das was ihnen an innerer Reife überhaupt beschieden ist, in einer Art von »Entsagung« den entsprechenden Ausdruck findet.
Wohl denen, die’s nicht nöthig haben, – wohl uns, die wir wie mir scheint zu diesen gehören – und hoffentlich nicht allein wegen Mangels an Klugheit. So spricht also nichts dagegen, mein lieber Hermann, dass wir beide uns an die Arbeit machen, die du in meine |Hände legst: »Das Werk von der letzten Nacht einer alten Zeit« – Und schließlich können es auch andre Werke sein.
Zu »Mahler« haben wir noch Sitze bekommen, sseh ich dich hoffentlich auch heute Abend.
Jedenfalls aber sage oder schreibe mir pneumatisch, ob du vielleicht Lust hättest, am Samstag bei uns zu nachtmahlen.
Herzlichst der deine
Arthur
|Olga grüßt dich herzlich und sagt dir, dass sie von dem was du anläßlich des P. geschrieben hast, erschüttert war.
    Bildrechte © Theatermuseum, Wien