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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 24. – 25. 6. 1906
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [25. 6. 1906 – 29. 6. 1906?]
Bahr, Hermann
Textzeuge 1
Signatur A, Wien, Theatermuseum, HS AM 23379 Ba
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.645 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung Lochung
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 537–538.
Veröffentlichung 2
24. 6. 1906. In: Arthur Schnitzler: The Letters of Arthur Schnitzler to Hermann Bahr. Edited, annotated, and with an introduction, by Donald G. Daviau. Chapel Hill: The University of North Carolina Press 1978, S. 94–95 (University of North Carolina studies in the Germanic languages and literatures, 89).
Veröffentlichung 3
Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931). Herausgegeben von Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 379–380.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 24. – 25. 6. 1906. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01604.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L01604«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 24. 6. 1906

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Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 24. – 25. 6. 1906

|Wien, 24. 6. 906

lieber Hermann,

ich finde deinen neuen Einakter sehr interessant; fesselnd vom ersten bis zum letzten Wort, und halte (wenn es nicht zu einem Skandal kommt, was man bei Bahren und Faunen nie wissen kann) auch eine starke Bühnenwirkung für wahrscheinlich. (Deine 3 Einakter müssten zusammen gegeben werden; Faun zum Schluss, Narr zu Anfang, das »du kannst ja mitkommen«, |der Helmine am Schluss bekäme dann seine besondre Bedeutung.)
Man denkt natürlich so ein Stück weiter, wie man wirkliche Erlebnisse weiter phantasirt, und so habe ich auch einen zweiten u dritten Akt gesehen, die man vorläufig nicht wird spielen können. Der zweite Akt auf der steilen Bergwiese. Falls du ihn schreiben solltest, rathe ich dir, ihn nicht von Lessing inszeniren zu lassen, der Orgien nur ein mäßiges Verständnis entgegenbringt, was |sich im 4. Akt der Beatrice jammervoll erwiesen. Dieser zweite Akt, der verschiedentlich geführt werden könnte bekäme seinen ganzen Sinn natürlich nur durch die vollendeste Rücksichtslosigkeit. Also Bedingung: Unaufführbarkeit. Da für mich (wenigstens wie ich das Stück weitergedacht habe) Helmine die Heldin ist, brächte der 3. Akt den seelischen Untergang oder Sieg der Helmine. Man wird zu irgend etwas wahrscheinlich nur reif, wenn man eigentlich dazu geboren war. Man kann ein Faun sein; man kann |aber kein Faun werden. Man kann ein Hexchen und eine Nymphe sein, aber man kann es nicht werden. Ich bin nicht klar darüber, ob Helmine das Recht auf die Welt gebracht hat, auf die steile Bergwiese zu wandern. Jedenfalls sie eher als Edgar, wie ja die Frauen überhaupt mit den Urelementen verwandter sind als die Männer. Es wäre auch zu bedenken, ob Helmine nicht irgend was, das man nur aus |seiner Natur heraus thun darf, par dépit thut – was vielleicht eine der häufigsten tragischen Verschuldungen bedeutet. Eine andere, eher komoedische Verschuldung hinwiederum: jemand denkt auf dem Wege der Höher-Entwicklung irgendwohin gelangt zu sein – und ist nur atavistisch hingerathen. Auch auf den steilen Bergwiesen tanzen zumeist Leute, die nicht hin gehören. Dahin ungefähr führte mich dein faunisch-tiefsinnig-burleskes Stückchen, und so möchte es wahrscheinlich damit |enden, dass irgend welche nicht bergwiesenwürdige Geschöpfe vom wahren Faun zu Thale geprügelt würden. –
– Heute, den 25. mein lieber Hermann, reisen wir ab. Nach Berlin. (1, 2 Tage) Kopenhagen (3, 4 Tage.) Marienlyst. Ein paar Wochen. Dann, August vielleicht noch irgendwohin an die Nordsee. (Nordvyk?). Lass uns jedenfalls in brieflich-ansichtskartlicher Verbindung bleiben. –
Mit guten Sommerwünschen und |Grüßen von Olga u mir
herzlichst der Deine
Arthur
Das Mscrpt ist an Salten abgesandt.
    Bildrechte © Theatermuseum, Wien