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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 16. 7. 1915
Adam, Robert
Zistersdorf
Empfang: [17. 7. 1915 – 21. 7. 1915?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.4230,10
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 3 Seiten, 2.964 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: »Adam«
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Robert Adam an Arthur Schnitzler, 16. 7. 1915. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02215.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02215«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 16. 7. 1915

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Robert Adam an Arthur Schnitzler, 16. 7. 1915

|Zistersdorf, 16. Juli 1915

Hochverehrter Herr Doktor!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Brief und bestätige die Rücksendung des Manuskripts.
Das Urteil, das Sie über meine Gaunerkomödie gefällt haben, hat mich einigermaßen betrübt, weil ich an dieser Arbeit, weshalb weiß ich eigentlich selbst nicht mehr, immer mit einer gewissen Affenliebe hing. Beruhte sie im Grunde vielleicht auf Schadenfreude darüber, daß jene Kumpane, die mir manche saure Arbeitsstunde und viel bitteren Ärger gekostet haben, sich meiner Laune fügen mußten? oder bloß aus Lust daran, daß ich die Erinnerung an alle diese Quälgeister durch ihre Verarbeitung losgeworden bin?
Sie sehen, daß es gewiß keine künstlerischen Gründe sind, die ich zur Erklärung meiner Vorliebe heranziehe; und so muß ich auch, wenn |ich mich – gewiß etwas verspätet – zu objektiver Selbstkritik aufraffe, ganz einfach offen zugeben, daß ich gegen Ihren Urteilsspruch keine rechten Berufungsgründe aufzutreiben weiß. Daß ich mir mit dieser Komödie nicht die Tiefe Berührendes, sondern wohl nur Ärger von der Seele geschrieben habe, habe ich bereits angedeutet, und zum Schreiben selbst zwang mich nicht, wie bei andern Arbeiten, die ich ernst nahm, die Macht einer Idee, die Ausdruck finden will und muß, sondern lockte mich die Durchführung einer Pointe. Der Pointe gesellte sich allerdings eine kleine Idee, aber beide waren sich fremd, und so kam es zwischen ihnen zu einer mißhelligen Ehe.
Und jetzt erst, da mir Ihre Kritik die Komödie so gezeigt hat, wie sie sich, ohne meine Vorliebe für sie gesehen, darstellt, weiß ich wieder etwas, was mich die – wie gesagt, schwer zu begründende – Freude über die vollendete Arbeit vergessen ließ: Daß die Hauptveranlassung zur Niederschrift der Komödie eigentlich die sehr lebhafte Sehnsucht war, endlich einmal etwas zu schreiben, was theatermöglich wäre und das große Publikum anzöge. Ich hielt mich einmal an den zweiten Teil meines Wahlspruchs (der zu den wenigen meiner gedruckten opera gehört):
Aber ich gestehe ein, daß mir jetzt, da mir etwas ursprünglich »Hingeschmissenes« selbst den guten richtigen Geschmack verderben und meine – nicht immer versagende – Fähigkeit der Selbstkritik geschmälert hat, die Gefährlichkeit dieser zweiten Wahlspruchhälfte sehr klar geworden ist. –
Möge diese reumütige Beichte Ihnen genügen, hochverehrter Herr Doktor! –
Ich habe mich nun wieder in meine »Rechtsphilosophie« eingesponnen, deren erster Teil – es wird ein Buch von über 200 Seiten werden – endlich der Fertigstellung entgegengeht. Bin ich erst diese Last halbwegs los, dann will ich mich an die Ausführung eines Komödienplanes machen, und ich hoffe, daß ich damit seinerzeit die von der »Gesellschaft« geschlagene Scharte auswetzen kann.
Mit den ergebensten Grüßen Ihr
dankbarer
Robert Adam
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar