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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 4. 12. 1915
Brandes, Georg
Kopenhagen
Empfang: [5. 12. 1915 – 9. 12. 1915?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 17
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.317 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »45«
Veröffentlichung 1
Georg Brandes, Arthur Schnitzler: Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Kurt Bergel. Bern: Francke 1956, S. 114–115.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 4. 12. 1915. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02221.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02221«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 4. 12. 1915

Aufenthaltsorte
Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)

Komödie der Worte, Manuskript

Publikation in Vorbereitung

Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)

Komödie der Worte, Typoskript

Publikation in Vorbereitung

Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 4. 12. 1915

|Kopenhagen (genügende Adresse)
4 December 15

Verehrter Freund

Drei Jahre sind vergangen, seit ich Ihr Gast war und die Freude hatte, in Ihrem Heim mit Ihnen, Ihrer Frau Gemahlin und Ihren Freunden zu verkehren. Seit dem – wie viel unerhörtes ist geschehen! Alles ist anders geworden.
Ich wollte Ihnen schon vor einem Monat für Ihre dauerhafte Freundschaft danken, dass Sie mir die Komödie der Worte sandten. Sie haben wieder einmal das Labyrinthische dargestellt der erotischen Neigungen und wie die Ehen die Herzen hemmen und fesseln. Tragisches und Possierliches ist nach Ihrer Gewohnheit gemischt. Mir war Alles lieb.
Vor etwa drei Wochen sah ich in |einem grossen privaten Verein hier Ihren Dr. Bernhardi im Wesentlichen ganz vorzüglich aufgeführt. Das Stück ist mir theuer; nur kann ich mich nicht mit der Logik recht befreunden, dass weil jemand nicht zum Märtyrer geeignet ist, er überhaupt nicht für seine Ueberzeugung eintreten solle. Wir lassen ja alle ohne Protest das meiste hingehen, weil das Protestiren doch nichts nützt; aber Sie sollten nicht unsere Handlungskraft durch Entmuthigung lähmen. Das ist die alte »Ironie« der Romantiker, die dem Pathos die Spitze abbricht.
Doch, was liegt heutzutage an all dem! Macduff sagt:
|Ich habe leider im Augenblick wieder einen Anfall von meiner chronischen Krankheit, der Venenentzündung. Sie kam zum ersten mal in 1871 nach einem Typhus, und seit 1897 wieder nur zu oft. Nach 2 ½ Jahren macht sie mir wieder ihren Besuch.
Die grosse Maschine, die ich über Goethe machte, wurde schnell (in diesem kleinen Land) in 3,500 Exemplaren verkauft. Eine neue Auflage ein wenig verbessert, ist erschienen. Es sind zwei recht dicke Bände. Ausserdem habe ich viele grössere und kleinere Artikel über die Zustände – leider in unserer Geheimsprache – geschrieben.
Peter Nansen, den Sie kennen, hat seine Production wieder aufgenommen und u. a. eine nicht unbedeutende grössere Novelle erscheinen lassen. Selbst liegt er leider krank. Er hat zuviele |Cigaretten geraucht, zuviel Whisky getrunken, sein Herz scheint gelitten zu haben, er hat seit 3–4 Wochen ein schwaches Fieber, das nicht weichen will. Ich liebe ihn sehr und bin um ihn bekümmert.
Liebster FreundEmpfehlen Sie mich den Ihrigen und bleiben Sie mir gut.
Ihr Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge