Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 8. 1917
Adam, Robert
Wien
Empfang: [23. 8. 1917 – 27. 8. 1917?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.4230,20
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.889 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: »Adam«
2) mit rotem Buntstift mehrere Unterstreichungen
Textzeuge 2
Signatur A, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod.ser. 52.263, 200
Typ Brief
Beschreibung Maschinenschriftliche Abschrift, 1 Blatt, 1 Seite, 2.889 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Robert Adam an Arthur Schnitzler, 23. 8. 1917. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02268.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02268«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02268.html |titel=Robert Adam an Arthur Schnitzler, 23. 8. 1917 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1917-08-23 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 23. 8. 1917

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Robert Adam an Arthur Schnitzler, 23. 8. 1917

|Wien, am 23. August 1917

Hochverehrter Herr Doktor!

Ich habe heute früh zu meiner freudigen Überraschung Ihren Dr Gräsler zugestellt erhalten und beeile mich, Ihnen, obwohl ich nur erst wenige Seiten lesen konnte, herzlichst für Ihre liebenswürdige Sendung und Widmung zu danken.
Ich wollte in den nächsten Tagen bei Ihnen anfragen, ob Ihnen ein Besuch angelegen käme (die Anfrage verschob ich aus einem einigermaßen kindischen Grunde: vorerssollte nämlich eine lange Komödie – wenn man’s so nennen darf – im ersten Entwurf fertiggestellt sein, aber die letzte Szene, die allerdings ein schwieriges Unge|heuer ist, dehnt sich und streckt sich und will nicht zum Schluß kommen). Nun aber frage ich doch an, ob ich wieder einmal bei Ihnen erscheinen darf? Bevor ich auf Urlaub ging, sprach ich einmal bei Ihnen vor, traf Sie aber leider nicht an.
Über meine jetzige amtliche Tätigkeit läßt der Gerichtssaalberichterstatter manchmal etwas verlauten: ich kämpfe tagaus tagein mit der Preistreiberei, von Arbeit überhäuft, mit gutem Willen, aber in dem vollkommenen Gefühle, ich mag nicht sagen, der Don Quixoterie, (denn es handelt sich weder um Windmühlen noch um harmlose Barbiere) aber doch lächerlicher Ohnmacht. An Bildern, die Art dieses Kampfes darzustellen, kann’s ja nicht fehlen: Peitschen des Meeres, Salzbestreuen des Schwanzes, Hüten von Ameisen. Die Preissteigen mit unheimlicher Konsequenz und unsereins wandelt ihnen mißbilligend nach |und versichert ihnen immer wieder, sie hätten nicht gut daran getan zu steigen und sie sollten es wenigstens jetzt unterlassen. Man spielt die lahme Gouvernante wilder Kinder, die den Trieben der Natur folgen. Wenn es nur wenigstens irgend einen Weisen gäbe, der Herr des großen Geheimnisses wäre: was denn eigentlich Preistreiberei sei? an welchem sicheren Kainszeichen man die »offenbar übermäßigen« Preise erkennen und von den unschuldigen nicht übermäßigen, sondern bloß exorbitanten Preisen unterscheiden können? Aber: »Gefühl ist alles« –
Dauert dieser Kriegszustand der Jurisprudenz noch lange an, so könnte neben dem Lächeln der Auguren jenes andere verzweiflungsvolle Lächeln berühmt werden, mit dem während einer Preistreibereiverhandlung der Angeklagte den Verteidiger, der Verteidiger den Staatsanwalt, dieser den Richter und der Richter den Angeklagten ansieht: »Vielleicht bist du |klüger als ich – oder am Ende auch nicht?« Man möchte vermuten, daß wenigstens die Preistreiber  selbst sich darüber klar sein müßten, ob sie Preistreiber seien: aber auch diese Vermutung ist kaum zutreffend. –
Verzeihen Sie, daß ich Sie mit Berufsklagen langweile; aber in dieser Zeit, da ich von allen Seiten nur Lebensmittelklagen höre, scheinen mir jene noch die erfreulichste Art zu sein. Und über’s Jammern kommt man jetzt ja doch nicht hinaus. –
Nochmals, hochverehrter Herr Doktor, meinen herzlichsten Dank und die ergebensten Grüße!
Ihr
Robert Adam
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar