Hochverehrter Herr Doktor!
Ich habe gestern, sofort nach Erhalt Ihres Schreibens, beide Stücke – den »Fremden« und »Yppl« beim Deutschen Volkstheater
eingereicht, und zwar zu Händen des Dramaturgen Dr Glücksmann, dem ich einen kurzen an die
Direktion gerichteten Brief mit Berufung auf Ihre mündliche Empfehlung übergab; in
diesem Schreiben wies ich darauf hin, daß es mit dem Stil des »Fremden« vereinbar wäre, wenn die Personen – wie auf Uhde’schen Bildern – in modernen oder
halbmodernen Kostümen er|scheinen, daß
daher die Kostümfrage kaum Schwierigkeiten bereiten dürfte. Heute vormittags wollte
ich beim Direktor vorsprechen, traf ihn aber
nicht an und hinterließ meine Karte, wobei ich den Sekretär ersuchte, darauf
aufmerksam zu machen, daß die Stücke bereits eingereicht seien.
Nun muß ich die Dinge ihren Lauf gehen lassen und sehe der Entscheidung mit oft
erprobtem Fatalismus entgegen. Hätte ich diesmal nicht wieder Pech, so wär’s ein
Wunder! –
Die letzten Tage, die uns die Republik und mir damit die Erfüllung langjähriger
Träume gebracht haben, habe ich in größter Erregung durchlebt, von der auch eine
ziemlich geschmacklose Kundgebung zeugt, die ich am Tage der Proklamation verbrach und |die ihren Weg in die Blätter gefunden hat
(wie ich höre sogar in’s Prager Tagblatt; dies ist schließlich in Anbetracht der Eigentümlichkeit der Prager Psyche nichts Verwunderliches). Ich tröste
mich mit einem Spruch: »Begeisterung macht Schmöcke aus uns allen«. – Ich habe auch
die furchtbare Panik vor dem Parlament miterlebt und weiß jetzt, wie einem zumute
ist, wenn man wehrlos im Maschinengewehrfeuer zu stehen vermeint. Es waren ganz
entsetzliche und sehr interessante Minuten. –
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre liebenswürdige Verwendung und gebe in Anbetracht
derselben, trotz allem Kleinmut, die Hoffnung nicht auf, diesmal doch einen
Durchbruch zu erzielen.
Mit besten Grüßen Ihr ergebener
DrRAdam
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