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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 18. 12. 1891
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [19. 12. 1891 – 23. 12. 1891?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3162
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.569 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift auf der dritten und vierten Seite je eine seitliche Markierung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 18. 12. 1891. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02676.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02676«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 18. 12. 1891

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 18. 12. 1891

|Paris, 18. December 1891.

Mein lieber Arthur!

Unser alter Streit! Aber ich fürchte, Deine Kunst läuft in einen Irrweg hinein, wenn Du Dich immer wieder von diesen Ideen leiten läßt. Darum noch rasch drei Worte. Es gibt keine Kunst, meine ich, die so den Massen angehört, als die dramatische. Es issogar das Wesen dieser Kunst und ihre eigentliche Aufgabe: Alles in den Massen sichtbaren und fühlbaren Proportionen auszudrücken. Der Dramatiker bearbeitet nicht seinen Stoff, sondern das Publicum. Das Publicum ist das Rohmaterial des Bühnendichters. Und die Kunst, ein Stück zu schreiben, ist eigentlich die Kunst, sich ein Publicum resp. sich das Publicum |zu dem seinen zu machen. Wer also bei seinen dramatischen Arbeiten von der Masse abstrahiren will, gleicht dem Maler, der seine Bilder in die Luft malt. Es gibt kein Theater für Fünf, es gibt nur ein Theater für Alle. Stücke für fünf Leute schreiben ist keine Kunst mehr, sondern ein Sport. Anderseits ist es weit gefehlt, daß alle Stücke »Hochzeiten von Valeni« sein müßten. Man soll nicht theatralisch sein, sondern nur dramatisch. Intim, fein, sensitiv, meinetwegen, aber dramatisch. Und der letzte Act des »Märchens« ist nicht dramatisch. Daß du aber ein Dramatiker bist, |das beweist der erste Act. Also keine künstlichen Synthesen einer neuen Kunst, bitte! Die Erfindung der neuen Kunst ist nur ein Auskunftsmittel, um den Schwierigkeiten der alten auszuweichen. Darum sollst Du schreiben – Du kannst es, ich gebe Dir mein Ehrenwort – aber keine Stücke für Zimmer mit rother Ampel-Beleuchtung und heruntergelassenen Jalousien. . . . . 
Hermann Bahr? Wieso kommt der zu Euch? . . . 
Richard thut mir sehr weh, weil er mir nicht schreibt. . . . . 
Ich? Verlange nichts zu hören! Trostlos! Der Käfig, der bisher in Brüssel stand, ist nun nach Paris übertragen; und die Gefangenschaft wird nur |umso bitterer dadurch, daß Paris vor den Gitterstäben zu sehen ist. Talentlos, muthlos, gewissenlos! Langschläferisch und zeitvergeuderisch! Am 1. Januar soll ich meinen Dienst beginnen u. weiß nicht das davon! Sechs Monate höchstens wird’s dauern; dann schicken sie mich fort. Faul, faul bin ich. Ich hab’s jetzt heraus: wir nennen uns andere, um einen Vorwand zu haben, charakterlos zu sein. . . . 
Mit Empfehlungen kannst Du mir unendllich nützen. Ich bin fast ganz im Stich gelassen worden u. brauche Beziehungen wie das Brot. Schaff’ mir, bitte, was Du mir schaffen kannst. Auch wenn die andern Freunde mir ein wenig helfen wollten, wäre ich sehr dankbar. Oder gar Dein Herr Porges! Grüße Dich Gott, mein lieber Alter!
Dein Paul Goldmann
Hildegarde hast Du nie gesehen?
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar