Directeur: M. L. Sonnemann. Paris, 24. Juni.
Journal politique, financier,
commercial et litteraire.
Paraissant trois fois par jour
Bureaux à Paris:
Mein lieber Arthur!
Ich habe Herzl dein Märchen
gegeben und war heute bei ihm. Derselbe sprach sich
darüber in Worten der Begeisterung (wörtlich zu nehmen) aus. Er meinte, Du seiest der einzige
von uns allen Jungen – ihn inbegriffen – der ’was kann. Er meinte, du seiest ein
wahrer Dichter. Er meinte, das Ding habe ihn so gepackt, daß er es in einem Zuge ausgelesen. Er meinte,
meinte und meinte, ich weiß nicht was noch Alles Wunderschönes für Dich, weil es der
von |sich selbst eingenommenste Mensch Europas meint. Er sagte schließlich, daß er Dir sofort geschrieben hätte, wenn er nicht gefürchtet hätte – pardon, ich
referire wörtlich – Du seiest ein Wiener Jüdel und
würdest Dir parchanische Gedanken darüber machen
Ich gratulire Dir herzlich zu diesem schönen Erfolge Deines Talentes.
Das ist das einzige Dich interessirende, was ich seit langer Zeit zu berichten
finde.
Über mich laß’ mich schweigen. Ich verfalle und verrohe. Paris ist mir widerlich, meine Stellung entsetzlich, das
Heimweh nach Wien, nach Dir und all’ |den lieben Menschen verzehrt mich. Ich bin einsam,
zertreten und lieblos. Die Freundschaft habe ich auch verloren, wie Du weißt. Durch
meine Schuld, jawohl. Ich kann mich nicht mehr dazu aufschwingen, Dir so zu schreiben, wie ich Dir es schuldig wäre. Ich bin schon zu tief. Und ich denke, es ist
besser, ich lasse mich langsam in die Vergessenheit heruntersinken.
Dein
treuer
Paul Goldmann.
treuer
Paul Goldmann.
|Es sei denn, daß Du ein Mittel wüßtest, wie ich
Dich im August, wo ich wahrscheinlich
kurzen Urlaub bekomme, sehen kann. Aber nach Wien komme ich nicht, weil ich nicht ein zweites Mal die Kraft fände, mich
loszureißen.
Meine einzige Freude ist Arthur Klein. Leopold Spitzer, der eine widerlich gemeine Ladenschwung-Seele ist, habe ich vor 14 Tagen geohrfeigt, was
mich um ein Haar um meine Stellung gebracht hätte und vielleicht noch bringt.
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