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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 24. 6. [1892]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: 28. 6. 1892
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3163
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 1.894 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung
2) mit Bleistift das Jahr »92« vermerkt

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 24. 6. [1892]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02698.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02698«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 24. 6. 1892

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 24. 6. [1892]

Directeur: M. L. Sonnemann. Paris, 24. Juni.
Journal politique, financier,
commercial et litteraire.
Paraissant trois fois par jour
Bureaux à Paris:

Mein lieber Arthur!

Ich habe Herzl  dein Märchen gegeben und war heute bei ihm. Derselbe sprach sich darüber in Worten der Begeisterung (wörtlich zu nehmen) aus. Er meinte, Du seiest der einzige von uns allen Jungen – ihn inbegriffen – der ’was kann. Er meinte, du seiest ein wahrer Dichter. Er meinte, das Ding habe ihn so gepackt, daß er es in einem Zuge ausgelesen. Er meinte, meinte und meinte, ich weiß nicht was noch Alles Wunderschönes für Dich, weil es der von |sich selbst eingenommenste Mensch Europas meint. Er sagte schließlich, daß er Dir sofort geschrieben hätte, wenn er nicht gefürchtet hätte – pardon, ich referire wörtlich – Du seiest ein Wiener Jüdel und würdest Dir parchanische Gedanken darüber machen
Ich gratulire Dir herzlich zu diesem schönen Erfolge Deines Talentes.
Das ist das einzige Dich interessirende, was ich seit langer Zeit zu berichten finde.
Über mich laß’ mich schweigen. Ich verfalle und verrohe. Paris ist mir widerlich, meine Stellung entsetzlich, das Heimweh nach Wien, nach Dir und all’ |den lieben Menschen verzehrt mich. Ich bin einsam, zertreten und lieblos. Die Freundschaft habe ich auch verloren, wie Du weißt. Durch meine Schuld, jawohl. Ich kann mich nicht mehr dazu aufschwingen, Dir so zu schreiben, wie ich Dir es schuldig wäre. Ich bin schon zu tief. Und ich denke, es ist besser, ich lasse mich langsam in die Vergessenheit heruntersinken.
Ich grüße Richard und Loris und umarme Dich von Herzen
Dein
treuer
Paul Goldmann.
|Es sei denn, daß Du ein Mittel wüßtest, wie ich Dich im August, wo ich wahrscheinlich kurzen Urlaub bekomme, sehen kann. Aber nach Wien komme ich nicht, weil ich nicht ein zweites Mal die Kraft fände, mich loszureißen.
Meine einzige Freude ist Arthur Klein. Leopold Spitzer, der eine widerlich gemeine Ladenschwung-Seele ist, habe ich vor 14 Tagen geohrfeigt, was mich um ein Haar um meine Stellung gebracht hätte und vielleicht noch bringt.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar