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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 4. [1892]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [24. 4. 1892 – 28. 4. 1892?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3163
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.058 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift zwei Mal das Jahr »92« vermerkt

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 4. [1892]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02697.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02697«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 23. 4. 1892

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 4. [1892]

Directeur: M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et litteraire.
Paraissant trois fois par jour Paris, 23. April.
Bureaux à Paris:

Mein lieber Arthur!

Ich sehe, es geht nicht. Seit Wochen und Wochen warte ich, um zwei freie Stunden zu haben für den Brief an Dich. Denn ich mag Dir nicht schreiben, vierzig Zeilen flüchtig hingeschmiert, wie man aller Welt schreibt. Und es geht nicht, die freien Stunden wollen nicht kommen. Seit ich meinen Dienst angetreten hocke ich im Büreau von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends, den Sonntag inbegriffen. Draußen und rings um mich ist Paris. Ich bin einsam, elend, zerdrückt, verekelt, lebensunlustig und kämpfe den schweren Kampf, in dem es keinen Sieg gibt und in dem der einzige Erfolg darin besteht, die |unabwendbare Niederlage um ein paar Jahre länger hinauszuschieben. Ich will Dir das Alles im Einzelnen erzählen und begründen. Ich habe Dir eigentlich schon hundert Mal geschrieben, nur nicht mit Tinte auf Papier. Ich denke mit unsäglichem Heimweh an Dich zurück. Und jeder Deiner lieben Briefe, all’ Deine lieben treuen Worte, haben mich innig erfreut und mir so wohlgethan, wie Du es Dir nicht denken kannst. Ich nehme heut nur die Feder zur Hand, weil ich es unmöglich länger aufschieben kann, Dir zu danken. Ich glaube zwar nicht, daß zwischen uns Mißverständnisse möglich sind; aber die Entfernung ist eine solche Fälscherin! Und sschreibe ich Dir heut, nur um auszudrücken, daß ich Dir seit Langem, ich kann ruhig sagen täglich |schreiben will, und daß ich Dir doch nächstens, bald schreiben werde – trotz Allem. . . . . 
Nur das Gedicht soll gleich hier hinein. Tausend Dank dafür. Ich verstehe. Mir isso, als stündest Du von einem Steine auf, auf dem Du unterwegs geruht, und begännest nun rüstig nach oben zu steigen. Aber auf der andern Seite geht auch ein Leid aus Deinem Leben weg. Und ich war mit diesem Leid befreundet. Das Glück oder die Kunst, die an dessen Stelle treten, kennen mich nicht. Bedenken eines unheilbaren Selbstsüchtlers.
Die Verse – deliciös.
Ich umarme Dich von Herzen und in Treue, mein lieber Arthur!
Dein
Paul Goldmann
|Bitte, bitte, bitte: Komm im Sommer nach Paris oder sei im August 14 Tage mit mir zusammen! Bitte!!!
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar