|Frankfurter Zeitung Paris, 29. Juni.
Fondateur M. L.
Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris
Mein lieber Freund,
Noch weiß ich nichts ganz Genaues über meinen Urlaub; aber die Sache wird ungefähr so sein: zwischen dem 10. und 15.
August gehe ich nach Toelz, das 2 Stunden Bahnfahrt von Muenchen entfernt ist, u. gebrauche dort die Kur, drei oder vier Wochen, je nach
ärztlicher Vorschrift. |Dann wird mein Urlaub wohl
zu Ende sein. Immerhin hoffe ich doch so um den 5. September herum acht Tage in München verbringen zu können. Du kannst Dir denken, wie leid es mir thut,
Dir diesmal nicht mehr entgegenkommen zu können; denn auch mein liebster Wunsch für
diesen Sommer wäre, dich zu treffen. Aber ich muß |etwas für die Gesundheit (?!) thun, denn ich bin gar sehr elend: Wie also, wenn Du
Deine Bicycle-Tour nach Muenchen auf den September ließest, etwa nach Rückkehr von Kopenhagen? Oder sonst, wie Du willst. Bestimme, und ich
werde suchen, mich nach Dir zu richten.
Von der Frau Andreas hatte ich |folgende kurzen Zeilen, die ich Dir sende. Liebenswürdig, aber unnatürlich und gekünstelt. Die Doppel-Adjektive »tief und deutlich empfand ich« sind das beste Zeichen dafür, daß man gar nichts empfindet. Oder nein? . . . .
Nochmals von Herzen glückliche Reise, liebster Freund! Ich freue mich, daß Dir |der Sommer diesmal ein so reiches Programm bringt.
Wie denkst Du über eine Rückreise von Kopenhagen via Paris?
Die Aufführungs-Chancen machen
mir doch jetzt einen recht ernsten Eindruck. Sonnenthal, Mitterwurzer, das wäre herrlich.
Aber wer gibt das Mädel? Und
|was hörst Du aus Berlin?
Auch diese reichliche Production ist schön. Man soll
aber gar nicht darüber reden, ums nicht zu berufen. Ich sage eben nur, daß es schön
ist.
Verleger? Schreib’ ruhig an den Mann von der »Semaine littéraire.« Du brauchst ja von der Mercure-Notiz gar nichts zu wissen. Ich
hab’ sie |übrigens auch recht überflüssig gefunden.
Aber das ist so Pariser Art: immer nur von sich
reden. Alle haben sie hier was von Hermann Bahr an sich.
Mit Langen wird nichts zu machen sein. Er ist ein blödsinniger Idiot. Er haßt mich, weil
er weiß, daß ich weiß, daß er ein Idiot ist; und er |haßt Dich, weil Du mein Freund bist. Auch gibt er keine französischen Bücher mehr
heraus. Aber ich will einmal etwas Anderes durch Henri Becque versuchen.
Soll’ ich Dir die französischen
Blätter, die ich für Dich sammle, auch nach unterwegs schicken? Es macht mir gar
nichts, denn ich sammle so wie so.
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