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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 24. 6. [1895]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [25. 6. 1895 – 29. 6. 1895?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3165
Typ Brief
Beschreibung 3 Blätter, 12 Seiten, 3.187 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »95« vermerkt
2) mit rotem Buntstift fünf Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 24. 6. [1895]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02737.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02737«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 24. 6. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 24. 6. [1895]

Fondateur M. L. Sonnemann. Paris, 24. Juni.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris

Mein lieber Freund,

Eben bekomme ich Deinen lieben Brief. Nur rasch ein paar Zeilen. Mit Deinen Urtheilen über die gesandten Drucksachen – es ist wirklich zu viel Mühe, daß Du mir lange darüber schreibst – bin ich Wort für Wort einverstanden. Du mußt bedenken, daß |ich Dir kunterbunt durcheinander schicke, was mir interessant erscheint – Einiges wegen stylistischer Schönheiten oder origineller Anschauungen – Anderes wieder nur, weil es ein beachtenswerther Absurditäts-Fall ist (z. B. Rochefort). Der Fall Wilde empört mich schon lange. Das englische Zuchthaus begreife ich |übrigens zur Noth, das sind dumme heuchlerische Bourgeois, in England – damit hat man sich abgefunden. Aber da gibt es diesen Kerl, den Dr. Nordau, der nach dem Urtheil an französische und deutschs Blätter Briefe richtet, um zu sagen: man möge nur in seinem Briefe nachlesen, wie er das Schicksal Wildes voraus |berechnet – um also aus dem Schicksal dieses Bemitleidenswerthen sich eine Reklame für seinen Dekadenz-Schwindel zu machen. Das macht mir das Blut kochen – da möchte ich losprügeln können mit Fäusten und Stiefel-Absätzen.
Über einen fransischen Verleger aus einer Aufführung |in Paris denke ich seit Empfang Deines letzten lieben Briefes nach. Das wird aber schwer sein. Die Pariser Verleger sind noch schlimmeres Gesindel als die deutschen. Die deutschen zahlen nur nichts, die fransischen verlangen, daß man ihnen |zahlt. Wärst Du dazu bereit? Eine Aufführung wäre eher möglich – aber erst nach einer Aufführung in Berlin oder Wien, nicht zugleich. Wir reden noch darüber. Ich hab’ die Sache schon lange im Auge und hab’ auch schon einige Schritte gethan.
|Das ist aber immer noch nicht der große Brief – nur ein paar rasche Worte, ehe die Kammer beginnt. Darum schreibe ich nicht über allerlei Persönliches, das ich längst berühren möchte.
Es wäre mir eine große Freude, könnt’ ich Dich im Sommer sehen; aber ich möchte keine |Störung bringen in Deine Reise-Pläne. Ich muß nach Toelz gehen u. muß dort vier Wochen bleiben. Das ist nicht weit von Muenchen. Wie machen wirs also?
Reise glücklich, liebster Freund! Ich weiß, wie gern Du hinausfährst, und freue mich für Dich. Laß’ die |Hypochondrien in Wien! Die Welt isschön, und Du bist jung und ein glücklicher Mensch, – ja, glaub’ mir, ein glücklicher Mensch.
Ich höre wohl Deine Unterwegs-Adresse.
Burckhardt ist unglaublich. Es wäre |sogar schon komisch, wenns Dich nicht gerade träfe. Aber auch ich bin fest überzeugt: das Stück wird aufgeführt.
Dem Fuchs thatst Du Unrecht. Er ist kein Concordia-Literat mehr, sondern ein lieber, neidloser, treuer, einfacher Mensch, der alt wird und gut wird. Als Mensch |tausendmal mehr werth, wie Herzl.
Herzl schreibt einen Roman.
Was macht  Richard? Schreibt er was? Und sehe ich ihn?
Wie geht die »Zeit«?
Die Übersetzung von »Sterben« ist nicht übel. Dank für die Zusendung.
|Bahr hat hierher geschrieben, um die Unterschriften der fransischen Schriftsteller-Welt zum Verlangen einer Aufführung eines Goldschmidtschen Musik-Dramas zu erhalten, das er, wenn ich nicht irre, als das größte dieses Jahrhunderts bezeichnet. Man hat ihn ausgelacht. Aber ist das nicht ekelhaft?
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund, und schreib’ mir bald.
Dein treuer
Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar