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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 17. 10. [1895]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [18. 10. 1895 – 22. 10. 1895?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3165
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.822 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift eine Unterstreichung, eine seitliche Markierung und das Jahr »95« vermerkt
2) mit rotem Buntstift acht Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 17. 10. [1895]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02756.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02756«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 17. 10. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 17. 10. [1895]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier, Paris, 17. Oktober.
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris

Mein lieber Freund,

Herzlichsten Dank für die Kritiken! Das ist gar eine amüsante Lectüre. Wie Dein Bild da aus all’ den Spiegeln der Öffentlichkeit zurückgeworfen wird! Aber manchmal sieht es mich auch fremd an, schmerzlich fremd, und meine trüben Ahnungen kommen wieder. Ja, ja, laß’ nur! Es ist Unsinn, ich weiß. . . . . 
Sehr interessant, diese Lectüre. Über Speidel schrieb |ich Dir schon. Kalbeck ist unerträglich schwülstig geschrieben. Gefällt ihm das Stück wirklich so? Oder hat er nur vernommen, daß es Speidel loben würde und sich darum beeilt, um die Wette zu loben, – auf Seiten der Mächtigen, wie immer? Ich glaube, der ist kein echter, auf den kannst Du Dich nicht verlassen, – wohl aber auf Speidel. Schön ist das Wohlwollen u. die Sympathie, die fast bei Allen zutage tritt. Einiges davon ist wohl auf Rechnung des Wienerischen zu setzen, die |Hauptsache aber kommt aus der Achtung und dem Respect vor dem Menschen Schnitzler. Durch warmen, herzlichen, neidlosen Ton ragt vor Allem Hirschfeld hervor. Das ist Einer, der sich wirklich mit Deinem Talent und Deinem Erfolge freut. Das Schönste aber ist – es isseltsam, daß ich diesem widerwärtigen Menschen das Zugeständniß machen muß – J. J. Davids Feuilleton über Dich. Das ist prächtig geschrieben, das ist ein klug und wahr gezeichnetes Seelenbild von Dir, und das schlägt |in meinem Innern liebe Saiten an, die lange nicht geklungen. Es hat mich tief berührt, und ich will dem Manne Manches um deßwillen verzeihen. Bauer tadelt den Schluß, und hat vielleicht nicht Unrecht. Hevesi  ist vortrefflich und gescheit; besonders, was er über die Paradoxe sagt, sind goldene Worte. Uhl ist merkwürdig boshaft, hat sichtlich in der Absicht geschrieben, Dir wehzuthun, packt das Stück viel zu schwer |an, sagt aber schließlich doch manches Beherzigenswerthe; sein Tadel gegen die Figur des Vaters ist viel zu heftig ausgedrückt, aber im Grunde scheint er Recht zu haben. Durch besondere Dummheit zeichnet sich Bunzl aus; er war aber immer ein Ochs. Köstlich ist die künstlerische Strenge des »Neuigkeits-Weltblatts«. Hübsch sind auch die Socialisten, welche unzufrieden sind, |weil das Stück nicht nach Dreck stinkt: »Das ist nicht das wahre Volk«. Daß selbst die Antisemiten über Dich sympathisch schreiben (»Reichspost«), ist ein wahrer Triumph für Dich und beweist abermals, daß der Antisemitismus sich nur gegen die widerlichen Saujuden richtet und vor dem ehrenhaften und tüchtigen Juden entwaffnen muß. Granichstaedten isso ungeschickt und offen gemein, daß es |nicht einmal empört; jede Zeile sagt selbst dem nichteingeweihten Leser im Vertrauen, daß der Verfasser lügt. . . . . 
Das Gesammtbild ist glänzend; und der Erfolg isso groß, wie ich ihn nur irgend für Dich wünschen konnte. Jetzt mach’ Dich bald und frohen Muthes an die neue Arbeit!
Viele treue Grüße!
Dein
Paul Goldmnn.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar