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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 11. [1896]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [24. 11. 1896 – 28. 11. 1896?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3166
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 1.924 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift das Jahr »96« vermerkt

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 11. [1896]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02791.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02791«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 23. 11. 1896

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Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 11. [1896]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour. Paris, 23. November.
Bureau à Paris

Mein lieber Freund,

Zugleich mit der Depesche an meinen Onkel sandte ich am Samstag eine an Dich ab. Dein Telegramm, das Nachricht verlangte, hat sich mit dem meinen gekreuzt. Dies zur Steuer der historischen Wahrheit.
Und nun tausend Dank für Deine freundschaftliche Theilnahme und Deine lieben Glückwünsche. Aber glaube nur ja nicht, daß ich ein Held geworden bin. Die Sache ist eigentlich eine große Comödie, mit sehr wenig Gefahr. Und willst Du |wissen, was Muth ist? Muth ist: wenn man vorher eine halbe Flasche Rothwein getrunken hat. Muth ist: wenn Leute da sind und zuschauen. Muth ist: wenn man unter gar keinen Umständen weglaufen darf. Muth ist: wenn man nicht an die Gefahr denkt. Und Muth ist, vor Allem, wie bekannt: wenn man überzeugt ist, es wird Einem doch nichts passiren.
Ein Gefühl, das »Muth« heißt, gibt es sicher nicht. Es gibt nur ein Gefühl: die Furcht; und der Muth ist die Negirung dieses |Gefühls, oder, um mich französisch zu citiren: le courage, c’est l’effort qu’on fait contre la peur.
Das sind so die wahren inneren Vorgänge gewesen. Alles Äußerliche war Schauspiel und Schwindel. Ich habe nicht auf den Mann gezielt, er aber hat auf mich gezielt, was aber nichts macht, da  er ein schlechter Schütze ist. Für meine Position hier ist die Sache gut gewesen, bei meinem Blatte hätte sie mich beinahe meine Stellung gekostet (die großen Demokraten sind gegen das Duell). Schlagen mußte ich mich, um nicht als |Feigling zu erscheinen. Aber ich hab’ es ungern gethan. Es ist eigentlich eine Kinderei, und hinterher schämt man sich sehr darüber, daß man nicht verwundet ist. Die Nacht vorher aber hat man Angst.
Hoffentlich kann ich Dir eines Tages mit würdigeren Thaten aufwarten.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund. Schreib’ mir bald!
Dein treuer
Paul Goldmnn
Morgen sende ich ab. 1.) Das Manuskript der Übersetzung von Thorel 2.) den »Mercure« 3.) »Adolphe«. Bitte das Manuskript bald zurückzusenden.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar