Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour. Paris, 15. Oktober.
Bureau à Paris
Mein lieber Freund,
Ich wollte Dir täglich schreiben, habe aber jetzt ausnahmsweise viel zu thun. Heut erst kann ich Dir für Deinen lieben Brief danken,
der mich wahrhaft beruhigt hat. Ich war wirklich schon in Sorge, weil ich so lange
nichts von Dir hörte.
Wenn von dem Allen nur das Eine zurückbleibt, daß Du »Sie« lieber hast als je, so weiß ich, wozu
es gut war. Ich glaube immer mehr, daß »Sie« in Deinem Leben die Treue, die Ruhe, die Ordnung
darstellt. Je fester Du mit ihr verbunden bist, umso besser ists für Dich. Wie
herrlich doch |das Leben waltet! Auch Noth und Tod sind ihm nur ein Mittel, um neue Liebe hervorzurufen. . . . .
Auch die sonstigen Mittheilungen Deines Briefes haben mich sehr befriedigt. Wenn das
Stück so weit
ist, bekomme ichs wohl einmal auf einen Tag im Manuskript zu sehen? Zu düster solltest Du es freilich nicht machen. Kannst Du nicht eine heitere oder wenigstens
versöhnende Episoden-Figur einflicken? . . . . .
Ich habe Dir noch nicht gesagt, wie sehr ich mich in Salzburg mit dem Leo gefreut habe. Was für ein lieber Mensch! Er kommt mir vor wie ein treuer Löwe.
|Richard hatte sein Möglichstes gethan, um ihn davon abzureden, nach Salzburg zu kommen!
Von Richard höre ich natürlich kein Wort. Vielleicht schreibst Du mir einmal eine Zeile,
wie es ihm, Paula und »Mirjam« geht? Auch Salten, den ich in Salzburg sah, hat mir sehr gut gefallen. Ist ein charmanter Mensch geworden. Daß Dir Herzl zuwider ist, glaub’ ich gern. So viel Prätention und nichts dahinter! So
geistreich und so urtheilslos! Und so gar keinen Zusammenhang mit dem wirklichen Leben. Aber schwarzer Bart und imposantes
Auftreten. Das sind die Leute, die im Journalismus die großen Erfolge haben.
Von mir schreibe ich Dir lieber nichts. Es ist die alte Geschichte, ohne einen Zug
von Änderung, eher schlimmer als besser. Das ist wirklich nicht interessant.
Dein
Paul Goldmnn
Paul Goldmnn
Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar