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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 20. 5. [1899]
Goldmann, Paul
Den Haag
Empfang: [21. 5. 1899 – 25. 5. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3169
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.060 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »99« vermerkt
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 20. 5. [1899]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02875.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02875«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 20. 5. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 20. 5. [1899]

|Haag, 20. Mai.

Mein lieber Freund,

Von Berlin bin ich nach dem Haag beordert worden zur Friedensconferenz. Seit zehn Tagen lebe ich in einer unbeschreiblichen Hetzjagd, und endlich heut finde ich fünf Minuten Zeit, um Dir von Herzen für Deinen lieben Brief zu danken, der mir nach Berlin nachgeschickt wurde. Aber wichtiger wäre es mir, zu wissen, wie es Dir geht? Ich hoffe, nächster Tage nach Frankfurt zurückzukehren, und bitte Dich, mir sofort eine Zeile dorthin zu senden, um mir zu sagen, |wie Du Dich befindest?
In Berlin habe ich natürlich den »Grünen Kakadu« gesehen. Ich kann Dir nur offen sagen, mit jenem Freimuth, der zwischen uns Gebot ist: Ich habe das Stück nicht sehr lieb. Es ist ein glänzendes und ein geistreiches Stück, das seinen großen Erfolg wohl verdient; aber mir fehlt etwas darin, und ich habe die Empfindung, daß Du weit, weit höher stehst, als dieses Stück. Und dann bleibe ich dabei: die fransische Revolution ist nicht in dem Stück, in der Stimmung, sondern sie wird nur als Effekt von draußen, als Aktschluß verwendet. Sei mir nicht bös, |ich habe vielleicht Unrecht, aber jedenfalls ist’s meine ehrliche, wohl erwogene Meinung. . . . . . 
Vor meiner Abreise aus Frankfurt habe ich etwas erlebt, das für jeden Menschen den Gipfel des Glücks bedeuten würde. Für mich ists durch meine an Wahnsinn grenzende Nervosität, die in diesem Augenblick noch durch Krankheit complicirt ist, zu einer der größten seelischen Katastrophen ausgeschlagen, die ich noch durchgemacht habe. Niemals habe ich dem Selbstmord so nahe gestanden, – niemals auch hätte ich Deines Trostes und Rathes mehr bedurft. Aber es steht geschrieben, daß wir von einander getrennt sein müssen, wenn wir einander |am Meisten nöthig haben. Schon daß ich an Dich schreibe, beruhigt mich ein wenig. Wie hätte es mich erst beruhigt, mit Dir zu sprechen!
Grüß’ Dich Gott, liebster Freund! Schreib’ mir umgehend, was Du machst!
In Treue
Dein
Paul Goldmann.
In Berlin sah ich Kerr. Er hat mir diesmal sehr gefallen; von Dir spricht er mit echter Wärme. Es ist ein gutes Zeichen für ihn, daß er Dich versteht.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar