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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 6. 7. 1893
Salten, Felix
Wien
Empfang: [7. 7. 1893 – 9. 7. 1893?]
Schnitzler, Arthur
Bad Ischl
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 89, A 1
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.615 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »26«

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Felix Salten an Arthur Schnitzler, 6. 7. 1893. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03123.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03123«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 6. 7. 1893

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Felix Salten an Arthur Schnitzler, 6. 7. 1893

|Wien, 6. Juli 93.
Lieber Arthur! Ebenso leer, ebenso verstimmt und verärgert wie Sie, bin auch ich die ganze Zeit über, und es ist nur der Unterschied, dass Sie in Ischl sind und Bicycle fahren können, während ich in Wien braten muss und im eckelhaften Bureau arbeiten, das ich gerne bald ganz verlaßen möchte. Es war auch eine verfehlte Sache, dass ich mich hier einsperren und mir einreden ließ, ich hätte Beruf zum Beamten einer Assecuranz, so plötzlich. Und ich glaube noch immer, dass es gehen müsste, sich mit schriftstellerischer |Arbeit 50 fl per Monat zu verdienen. Dass ich es bisher nicht gethan, beweist wenig genug, denn ich war faul und habe Nichts gearbeitet. Von morgen ab, bin ich ganz allein, und sind Sie mir bisher schon sehr abgegangen, so werden Sie es dann noch mehr.
Es wäre jedenfalls nicht schlecht und würde mich freuen, wenn diese Aufführung zu Stande käme; was Wild für Gründe hat, ist ja ziemlich egal, für Sie wäre es von Nutzen. Verständigen Sie dann auch Paul Horn. Er ist in Aussee und Specht von Samstag an bei ihm.
Das Buch vom kleinen Rosner ist erschienen, und heisst »Decadence«. Es ist ganz so, wie die Novelle, die |wir voriges Jahr auf der Rohrerhütte von ihm gehört. Wenn diese jungen Sachen prätentiös und aufdringlich im Druck vorliegen, dann sieht man erst recht, wie dumm und zuwider diese ganze Psychopathia-Sexualis-pose ist, und wie recht die Leute haben, wenn sie auf diese Pubertäts-Geilheiten schimpfen.
Dass Sie nicht arbeiten, hat, wie ich meine, nicht viel zu bedeuten, ich glaube fest an eine starke Arbeitsperiode von Ihnen für die nächste Zeit – von mir glaube ich noch immer dasselbe.
Was für ein Leben, sag ich Ihnen! Von 9 bis 5 Uhr oder 6. im Bureau, dann hinaus in die staubige Luft, im grellen Lärm des vergehenden Tages, und die wachen Sommernächte in der Stadt, eckelhaft; – müd vom Bureau, schlecht aufgelegt und genzenlos nervös. In meinen literarischen Sachen von |allen Seiten behindert, ich kann keinen Weg machen, – nichts. Wer weiss, bekomme ich Urlaub, – wenn das so fortgeht, halte ich’s einfach nicht aus.
Von Loris habe ich heute einen lieben Brief erhalten. Er verlangt dringend, dass wir im Winter Theater spielen. Sie wissen ja, im Sommer reden wir immer von den großen Dingen, die wir machen wollen, und im Winter von den gemeinschaftlichten Soupers im Freien. Die alte Sache. Nicht einmal nachtmahlen können wir wenn wir’s uns vornehmen. Was macht denn Beer Hofmann? Arbeitet er etwas?
Leben Sie wol, ich danke Ihnen bestens für Ihren Brief. Auf baldiges Wiedersehen, und möchten wir bald gescheidter sein, viel gescheidter als Sie im »Märchen« und ich im »Begräbnis«.
Herzlichst Ihr
Salten
    Bildrechte © University Library, Cambridge