|Telephon 4167. Telegramm-adresse:
und 3940. Palast Fürstenhof Frankfurtmain.
Frankfurt a/M. 28. Dezember.
Mein lieber Freund,
Ich habe Wochen verstreichen lassen müssen, ehe ich für Deinen lieben Brief, der mich
ganz besonders erfreut hat, weil er so viel Schönes über Dich selbst enthielt, auch
nur danken konnte. Eine das gewöhnliche Maß noch weit übersteigende Häufung von
Arbeit (Du wirst sie ja selbst in der N. Fr. Pr.
beobachtet haben) war die Ursache. Hier in Frankfurt, wo ich, meiner Gewohnheit gemäß, die Zeit von Weihnachten bis Neujahr
verbringe, finde ich endlich die |Muße, Dir zu schreiben. Freilich, der ausführliche Brief, den ich plante, kommt wieder nicht zu
Stande. Und das geschieht deshalb nicht, weil ich so Fürchterliches hier erlebe, daß
ich nicht fähig bin, zu schreiben. Meine Beziehungen zu der Frau, die Du kennst, haben in diesen Tagen
ihr Ende gefunden. Durch meine Schuld: Denn als ich vor drei Monaten allerlei Klatsch
über sie erfuhr, stieß ich sie fort. Sonst ist sie immer wiedergekommen. Diesmal aber
habe ich ihr offenbar schwer Unrecht gethan. Und das Schlimmste: es war ein Tröster bei der Hand.
Gestern erhielt ich den Abschiedsbrief: »Lebe wohl!
Du hast schlecht an mir gehandelt! Ich kann Dir nicht verzeihen. Ich habe einen Besseren gefunden!«
Und das Entsetzliche ist, daß ich sie jetzt liebe, – liebe, wie ich sie nie geliebt
habe. Und daß in meinem armen Leben nirgends ein Ersatz ist und nie mehr sich finden
wird. Ich erinnere mich nicht, jemals so gelitten zu haben. Am Tage die Erinnerungen
auf Schritt und Tritt – Nachts die Marter |der
Gewissensvorwürfe!
Liebster Freund! Verzeih’ mir, daß ich Dir nicht mehr, – daß ich Dir nicht über Dich schreibe. Entschuldige mich auch bei Olga, der ich von hier aus für
ihren lieben Brief danken wollte.
Ich wünsche Euch Beiden ein
glückliches neues Jahr!
Viele treue Grüße!
Dein
Paul Goldmann.
Dein
Paul Goldmann.
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