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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 15. 3. 1913
Zweig, Stefan
Paris
Empfang: [16. 3. 1913 – 20. 3. 1913?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 3 Seiten, 2.001 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift »Zweig«
2) mit rotem Buntstift zwei Unterstreichungen
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 372–374.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 15. 3. 1913. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03642.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03642«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 15. 3. 1913

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 15. 3. 1913

|Hotel Beaujolais 15. März 1913
Paris

Verehrter Herr Doktor,

seit einiger Zeit in Paris habe ich heute Paul Morisse zum erstenmal gesprochen und eile mich, Ihnen sein Stillschweigen zu erklären. Morisse hat Ihr Stück längst übersetzt, sogar eigens in München einer Aufführung beigewohnt und gibt sich alle Mühe. Wenn er Ihnen nicht schrieb, so war es einzig die Scheu, nichts Negatives melden zu wollen. Es bedeutet ja für Sie nichts Peinliches, wenn ich es nun übernehme Ihnen zu sagen, dass bei zwei Theatern seine Schritte vergeblich gewesen sind, so sehr man das Werk rühmte, auch Antoine konnte sich nicht entscheiden. Augenblicklich liegt es beim Theater des Variétés, wo die Hoffnungen auf schwachen Füssen stehn, besonders bei der jetzi|gen politischen Lage, wo die Aufführung deutscher Werke geringer Sympathie begegnet.
Sicher wäre das Theater des Arts das jetzt modernste von Paris, das Shaw, Hebbel, die jungen Franzosen spielt. Es ist natürlich ein a-coté-Theater und trägt gar nichts oder beinahe so viel: Morisse wagte Ihnen dies nicht anzubieten, etwas Deklassierendes ist dabei nicht zu finden und die Presse vollzählig vertreten. Hier müssten Sie entscheiden.
Auch ist er bereit, das Werk sofort als Buch erscheinen zu lassen, nur soll dies in Frankreich gewissermassen einen schweigenden Verzicht auf die Aufführung bedeuten.
Ich hoffe, verehrter Herr Doktor, klar berichtet zu haben. Morisse hat sich alle Mühe gegeben, Sie wissen ja selbst, wie schwer Paris zu erobern ist. Jedesfalls stehe ich hier ganz zu Ihrer Verfügung, falls Sie irgend eine bestimmte Aus|kunft wünschen, ich bleibe noch drei Wochen zumindest. Mein Leben ist hier vielfältig durch die Stadt und doch geschlossener durch das Fremdsein, das nur die Freundschaft einiger guter Menschen zum doppelten Glück macht. Bewahren Sie mir gutes Gedenken, überbringen Sie Ihrer Frau Gemahlin beste Empfehlungen und seien Sie aufrichtigst gegrüsst von Ihrem treu ergebenen
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge