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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 20. 2. 1914
Zweig, Stefan
Wien
Empfang: [20. 2. 1914 – 23. 2. 1914?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.159 Zeichen
Handschrift lila Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift »Zweig«
2) mit rotem Buntstift eine Markierung
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 379–380.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 20. 2. 1914. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03646.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03646«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Freitag, 20. 2. 1914

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 20. 2. 1914

Wien, 20 II. 14
Sehr verehrter Herr Doktor, empfangen Sie meinen herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Auferstehung des »Einsamen Weges«. Durch alle Unzulänglichkeit mancher Darsteller habe ich gestern abends wieder diese Menschen gespürt, die seit Jahren wie wirklich begegnete in meinem Leben sind und bin froh wieder Ihrer Meisterschaft bewusst geworden. Ich habe ja keine Berufung darüber zu sprechen, aber immer bei Ihren Werken, wenn ich auf der Bühne oder im Buch |ihnen neuerlich nahe trete, ist es mir Bedürfnis ein Wort an Sie zu richten, Ihnen irgendwie zu danken für Alles was Sie uns gegeben haben. Ich meine nie das Einzelne damit und gerade gestern, im »Einsamen Weg«, der mir vor Jahren, als er das letzte war, auch das liebste Ihrer Stücke schien, ist mir bewusst geworden, wie stark in Ihrer Kunst seitdem der Zusammenschluss aller innerlichen Kräfte geworden ist, wie Manches, was hier noch Andeutung ist, im »Weiten Land« und der »Frau Beate« schöpferisch sich ausgebaut hat. Es ist für mich ein grosser Genuss, spüren zu dürfen wie organisch sich über das einzelne Werk hinaus Ihre Motive entwickeln, wie Ihr ganzes Schaffen gleichsam |symphonisch in Anklang und Widerklang gewisse persönlichste menschliche Themen verarbeitet und wie eigentlich alle diese einzelnen Dramen von einer gewissen Ferne der Jahre,von der notwendigen Erhebung des Alters gesehen, eine complexe Gesammtheit bilden. Es gibt darum für mich eigentlich nicht wie für die meisten (die Ihre Werke in erster Linie als Theaterstücke werten) ein Mehr – oder Minder des Gefallens, ich wehre mich gegen den Vergleich und freue mich, Ihnen immer und immer wieder für das Ganze danken zu können. Es sei heute und nicht zum letzten Mal aus aufrichtiger Empfindung getan.
Lebhaft leid ist es mir, dass Sie mir so lange nicht erlaubten, Sie sehen zu dürfen. Ich reise nun |wieder von Wien fort, mit kurzer Unterbrechung eigentlich für lange, aber ich nehme alle Verehrung und Liebe für Sie und Ihr Werk getreulich mit. Nur meines Dankes einen Teil wollte ich Ihnen heute zurücklassen, da mir gestern Ihr Stück diese Verpflichtung neuerlich voll bewusst gemacht.
In inniger Verehrung Ihr
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge