Verehrter Herr Doktor, ich bin sehr unglücklich: Sie haben mich
vergebens angerufen. Aber ich unterschätzte das Militär und meinte, dass wenn man
um
6 Uhr früh ausrückte, das Salutieren zu
erlernen, um 12 Uhr schon zu Hause sein könnte. In Wirklichkeit wurde es 4
Uhr und ich weiss noch nicht bestimmt, ob ich die Materie beherrsche. All das sind
Vorbereitungen für meinen Dienst: am 1. Dez. |bin ich ins Kriegsarchiv einberufen und werde dort (unter Aufsicht von
Bartsch und Ginzkey) die vielfach geheimen Documente des Krieges zu ordnen
und zu gestalten haben, eine Arbeit auf die ich mich so sehr freue wie nur möglich,
obzwar sie viel fordert. So versäumte ich die Freude, Sie sprechen zu können, auch
die nächsten Tage exerciere ich in Klosterneuburg
und bitte Sie darum, mir die Berichtigung brieflich zu senden – ich bin nicht mehr
Herr meiner Zeit.
Viele viele Grüsse Ihres aufrichtig getreuen
Stefan Zweig
Stefan Zweig
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