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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: [29. 11. 1914]
Zweig, Stefan
Wien
Empfang: [29. 11. 1914 – 3. 12. 1914?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.483 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift datiert: »29/11 914« und beschriftet: »Zweig«
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 384–385.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, [29. 11. 1914]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03649.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03649«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 29. 11. 1914

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Traumtagebuch

Traum vom 29. November 1914

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, [29. 11. 1914]

Verehrter lieber Herr Doktor, Sie sind so gütig, meine bescheidene Meinung in dieser Sache anzufragen und ich sage sie aufrichtigst. Ich glaube nur der erste Teil der Berichtigung ist notwendig, der zweite bloss eben nur eine Richtigstellung einer Veränderung, die niemanden beleidigt. Und im ersten Teile hätte ich so gerne von einem Manne Ihrer Gerechtigkeit eines gesehen: ein Wort des Positiven, der Bejahung. Ich glaube, nie war eine Zeit besser für das Bekennen, nie es notwendiger, die Unerschütterlichkeit unserer innern Überzeugungen gegen gewisse Versuche aufrechtzuerhalten, den |politischen Constellationen unsere künstlerischen Empfindungen preiszugeben. Ich meine: es wäre schön und vorbildlich gewesen (und zugleich die stärkste, die schlagendste Berichtigung jeder Entstellung), wenn Sie an einer Stelle sagten, wie sehr Sie Tolstoi bewundern und auch Ihr Verhältnis zu France und Maeterlinck in künstlerischer Bejahung andeuteten. Ich glaube, wir müssen ein Beispiel bei jedem Anlass geben, zu zeigen, dass unsere Neigungen nicht ein Tauschgeschäft auf Gegenliebe sind, sondern unerschütterlich selbst durch Hass und Anfeindung. Gerade weil Einige versuchen, jeden, der gegen Deutschland heute auftritt, zu negieren, statt seine Argumente zu befeinden, müssen wir unsere Unabhängigkeit in der eigensten engsten Welt unseres Standes und Wirkens |mit sichtbarem Willen betonen. Nichts ist gemäßer in diesen Tagen als Wahrhaftigkeit, die sich nicht einschüchtern lässt durch die Reden am Markt: ich glaube, wir sollen heute unentwegt Tolstoi einen der wirklichsten Menschen aller Zeiten nennen und brauchen nicht zu zögern mit Ehrerbietung vor der Leistung eines Anatole France. Ein Vermeiden dieser Höflichkeitsbezeugung und dieser freien Zustimmung zu ihren Werken (die längst vor diesen Tagen entstanden) könnte leicht darauf deuten, wenn schon nicht eine Äusserung so sei doch Ihre Gesinnung jenen feindlich. Und das ist doch nicht Ihre Absicht.
Ich wage natürlich nicht, diese meine Empfindung zur Ihren machen zu wollen: es ist nur eine Antwort auf Ihre gütige Frage. Gerne expediere ich den |Brief in dieser Fassung wie in jeder andern an R. R., es wird ihm eine grosse Freude sein, Sie unter den Wenigen zu wissen, die heute, mitten im Kampf, schon an die Versöhnung denken.
Ich bin morgen Montag nach dem Bureau bestimmt zwischen 4–5 zu hause und freute mich sehr Ihres Anrufes. Vielen vielen Dank für Ihr Vertrauen und alles Herzliche Ihnen und den Ihren! Treulichst
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge