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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 7. 1. 192[8?]
Zweig, Stefan
Salzburg
Empfang: [8. 1. 1928 – 12. 1. 1928?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.2009.87
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 2.631 Zeichen
Handschrift lila Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift 13 Unterstreichungen und Vermerk: »Zweig / Aphorismen«
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefe an Freunde. Herausgegeben von Richard Friedenthal. Frankfurt am Main: S. Fischer 1978, S. 175–177.
Veröffentlichung 2
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 432–434.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 7. 1. 192[8?]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03682.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03682«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 7. 1. 1928

Aufenthaltsorte
Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)
Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)

Der Sekundant, Typoskript

Publikation in Vorbereitung

Tagebuch
Wiener Schnitzler
Mikroverfilmung des Nachlasses

Mappe A224

Datumsangabe auf Blatt von Zug der Schatten

Kalliope Verbundkatalog
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 7. 1. 192[8?]

|SZ 7. 1. 1927
Lieber verehrter Herr Doktor, Ihr Buch war mir eine grosse Freude und eine besonders persönliche: ich habe immer das Gefühl gehabt, als wüsste man zu wenig von Ihrer innern Geistigkeit, ihrer Gefühlswärme und dem Ernst hinter ihrem Lächeln. Wer einmal den Menschen heiter kommt, scheint verwirkt zu haben, für seriös im strengen Sinne zu gelten, als ob nicht gerade das Spielhafte immer Erlösung von einem tiefen innern Ernst bedeutete: Sie haben nur zu recht, dass die Wenigsten eigentlich von Ihnen hinter Ihrem Ruhme wissen. Zu diesen zu zählen war immer mein Stolz. Das Einzige, was mich an diesen Sprüchen ein wenig verdross, war, um goethisch zu reden »das Buch des Unmuts«, nämlich dass Sie den Kleingeistigen die Freude machen, zu zeigen, dass Mückenstiche Sie manchmal ärgerten. Zu viel Ehre! Wer wie Sie auf einem Werke steht, kann herabsehen; Verachtung zu zeigen, verrät eine vorangegangene Entrüstung und die hätten Sie niemals an solchen engen Deutungen erfahren sollen. Notwendigerweise hält sich der lockere Geist am Äusseren, aus Faulheit, in die Tiefe zu dringen, er klammert sich an einen Begriff und der ist Ihnen durch das Deminutiv der »Liebelei« von anfangs an taxfrei verliehen worden. Lassen Sie der Zeit ihre Zeit und Sie werden selbst noch die Wandlung erfahren, die|selbe die allen Österreichern allmählich bewilligt wurde, sehr unwillig zwar aber dann umso dauerhafter. Aber Ihr Buch war fördernd für ein ernsteres Anschaun, ein Sich besinnen dieser Gleichgiltigkeit, die ich für Sie empörter empfinde als Sie selbst: Ihre hohe Haltung, der nicht im schulmässigen wohl aber viel intensiveren Sinne sittliche Ernst Ihres Werks waren für mich immer vorbildlich und werden es dauernd bleiben, denn immer wieder steht Ihr neues Schaffen auf einer neuen Stufe, andern Ausblick eröffnend und gleichsam tiefere Quellen aufdeutend. Ich erwarte mir gerade von diesen Ihren reifsten Jahren noch unendlich viel und da Sies nie getan haben, werden Sie mich auch in dieser liebevollen Erwartung nicht enttäuschen.
Von mir darf ich nichts sagen als dass ein neues Drei-Meisterbuch das meiner eigenen Arbeit wie ein Klotz im Wege gelegen, bald fortgerollt sein wird und ich wieder dem Erfinderischen mich nähern kann. Inzwischen fiel mir eine kleine Komödie ein, die zu schreiben ich allein zu träge bin; aber schon in Gedanken mit Heiterkeiten zu spielen, entlastet. Ich glaube man kann sich nur von einer Arbeit in der andern erholen oder wenigstens im Spiel mit neuen Plänen und Möglichkeiten.
Möge jeder Tag Ihnen freudig und erfüllt sein! Wer verdient dies Bedeutsamste wenn nicht Sie?
Innigst Ihnen getreu Ihr Stefan Zweig
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar