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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 6. 7. 1929
Zweig, Stefan
Salzburg
Empfang: [7. 7. 1929 – 11. 7. 1929?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 3.019 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift blaue Tinte, lateinische Kurrentschrift (Korrekturen, Unterschrift)
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift Vermerk »Zweig« und zehn Unterstreichungen
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 443–444.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 6. 7. 1929. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03690.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03690«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 6. 7. 1929

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Pollaczek: Schnitzler und ich
Wiener Schnitzler
Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 6. 7. 1929

6. Juli 1929.

Hochverehrter, lieber Herr Doktor!

Ich bin immer so erfreut, Ihre Schrift und Unterschrift zu sehen. Eigentlich hatte ich im Stillen gehofft, Ihnen bei der Eröffnung des Pen-Klubs in Wien zu begegnen, aber ich war nur zwei Tage dort. Eine Hemmung, die ich selbst nicht zu erklären vermag, hält mich seit Jahren von Wien und Berlin weg. Nur so ist es zu erklären, dass ich es nicht wagte, mich bei Ihnen zu melden.
Roda Roda hat einen sehr richtigen Gedanken, wenn er die Manuskripte entweder als ganze Sammlung oder in Serien versteigern lassen will, denn es entstünden sonst leicht aus der Verschiedenheit der erzielten Preise Rivalitäten und die überflüssigsten Beleidigungen. Legt er immer drei oder vier Manuskripte zusammen, so kann jeder einzelne von den dreien oder vieren sich freundlich einbilden, er sei das Haupt- und Kapitalstück gewesen. Während in allen anderen Ländern die Manuskripte der lebenden Schriftsteller rasend teuer sind (ein Shaw oder Galsworthy Manuskript von einigem Umfang würde nicht unter hunderttausend Mark zu haben sein), pflegt Deutschland als Land der Historie nur die Vergangenheit und hat für gegenwärtige Autoren kaum nennenswerte Preise. Immerhin schätze ich doch, dass ein solches, der deutschen Literatur dauernd angehöriges Werk wie der »Grüne Kakadu« mindestens tausend Mark einbrächte, umso mehr, als ich mich nicht erinnere, jemals andere Arbeiten von Ihnen als Gedichte und Briefe im »Handel« gesehen zu haben. Es muss aber auf jeden Fall – und da hat Roda Roda ganz recht – eine Form gefunden werden, |welche die Spender wenigstens davor schützt, dass sie eine gewisse öffentliche Unfreundlichkeit erleiden, indem ihre Manuskripte keinen Käufer finden, was natürlich auf einem puren Zufall beruhen kann. Aber Sie kennen ja die Zeitungen, die sich’s nicht verkneifen werden, eine derartige Zufälligkeit literarisch zu kommentieren. Darum bin ich unbedingt gegen jede Vereinzelnung.
Sommerpläne habe ich noch gar keine, alles hängt davon ab, ob ein Stück, das ich schrieb und mit dem ich fertig zu sein glaubte, wirklich fertig wird, aber ich bin mit dem letzten Akt nicht zufrieden und gebe es nicht aus der Hand, ehe nicht der Engel eines neuen Einfalls erschienen ist, mit dem ich ringen kann. Gerade weil mir das Stück wichtig ist, wäre es mir ein besonderes Glück gewesen, Ihren Rat zu erbitten, und ein Gespräch hätte mich unermesslich gefördert. In solchen Verlegenheiten zündet oft ein einziges schöpferisches Wort. Vielleicht also winkt mir die besondere Freude, Ihnen irgendwo zu begegnen. Ich will wohl auch für einige Tage in die Schweiz oder wenn nicht dorthin, nach Ferleiten oder einen anderen versteckteren Ort.
Bitte, wagen Sie eine Postkarte, ehe Sie abreisen, die mir sagt, wohin Sie wandern; es wäre mir ein sehr tiefes und innerliches Bedürfnis, mit Ihnen beisammen zu sein. So selten ich Sie sehe, habe ich doch das Gefühl, Sie von Jahr zu Jahr besser zu verstehen und die Gewissheit, Sie noch immer inniger zu lieben.
Ihr getreu ergebener
[handschriftlich:] Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge