Motto: »Unverschämt! – Was? –« (?)
Hochverehrter Herr Doctor!
Beifolgenden Brief erhielt ich –
gestern von meiner Mama
zugesendet, nachdem sie ihn vierzehn Tage lang aus »Rücksicht für meinen
Gesundheitszustand« und zu dessen »Schonung« zurückbehalten hat und erst die Erwähnung meinerseits dort – (B) nochmals angefragt zu haben hat sie veranlasst, ihn
herauszugeben. Die »Schonung«, an und für sich überflüssig, ist in diesem Fall gar
nicht angebracht, denn ich habe ja dieses Resultat täglich erwartet und das sage ich
ganz ehrlich!! – Sie wissen ja! – Die Pille, so |liebenswürdig in einer verbindlichen Oblate, (medicinisch richtig! – was?) hat mich
durchaus nicht niedergeschmettert –. Vergleich
ausgeschlossen. Kam die »Athenerin« 4 mal von dort zurück!! sagt man!! Ganz entre nous gesagt, sah ich bei der letzten Lecture meines Opus Schwächen die ich früher
nie gesehen habe! Chose agreable – d. h. ich bin drüber hinaus gewachsen. Um so
angenehmer, da neues Stück
vor mir! – Hoffe gut! – Vederemo! – – – – Hauptsache – was mache ich jetzt mit »Heimweh«. – Bitte, bitte, guten Rath!! – Bühne? – Keine
Lust |glaube auch aussichtslos. – Was nun? – Wenn Sie so
gut sein wollten, mir einen guten Rath zu geben – – Verlag? – S. Fischer? – A. Langen hat es im Vorjahr der Marholm refusirt!! Möchte doch so gern hinaus! –
Vielleicht kindisch – »ein Buch!« Wirklich und wahrhaftig ein gedrucktes Buch!! –
Alte Leidenschaft von mir! – Drum – aber wahr! – Lachen Sie, so herzlich Sie wollen,
verehrter Herr Doctor, ich lache auch mit – da liegt mir gar nichts dran – aber
rathen Sie mir!! – – – – – – Richtig! – Nochmals herzlichsten Dank für Ihre gütige
Intervention bei Dir. B.! – Wenn Sie jetzt, wo
die schöne Wiener Saison, aus der ich mich bis zum
Frühjahr selber verbannt habe, so prächtig im Gange ist, ein paar
Augenblicke für mich Zeit finden, so packen Sie sie beim Schopf und senden ein paar
Zeilen als Strahlen der Literatursonne an einer armen, bleichsüchtigen Blaustrumpf
und die werden mir mehr Freude bereiten, als die der Meraner Sonne, die auf so viel krankes
Menschenzeug herabstrahlen müssen. – – Bitte! – Ja? – Was mach ich also?! –
Voraus Dank mit zwei Dutzend Ausrufungszeichen – ergebenste Grüße
Elsa Plessner
Elsa Plessner
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