Neugierig und zudringlich, wie ich einmal bin, bitte ich Sie heute
wieder einmal um Ihre Meinung über eine Arbeit. Beiliegende Novelle habe ich vor 14
Tagen aus der »Wage« zurückgezogen, da ich mir
keine Striche gefallen lasse, von denen ich überzeugt bin, dass |sie
meine Arbeit nicht nur schädigen, sondern direct umbringen. Spuren einer
redactionellen Thätigkeit werden sie in dem Manuscript genügend vorfinden. – – –
Ich bin doch nicht
verpflichtet, für die Moral der Leser der »Wage«
zu sorgen und ihre Sittlichkeit zu behüten. Die »incriminirten« Stellen der Arbeit habe ich mir im
Interesse derselben abzwingen müssen, denn Sie können
es mir glauben, auch ich schreibe so etwas nicht gerne nieder. Aber was ich als
Mädchen über mich |gewinnen kann zu schreiben: das ist noch immer zahm
genug, dass es die »Wage« die doch kein
Familienblatt ist – ruhig abdrucken kann. – –
Ansonsten bin ich sehr gespannt auf Ihr Urtheil über diese Arbeit. Es ist die erste, etwas größere,
und ausgeführtere Novelle im
Gegensatz zu meinen früheren Skizzen. –
– Nur eine Bitte habe ich: – Lesen Sie sie auf einen
Zug und ungestört durch, wenn ich auch länger auf Ihren Ausspruch zappeln
muss. –
In unveränderlicher Verehrung Prosit Neujahr!
Elsa Plessner.
Elsa Plessner.
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