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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 6. 1895
Herzl, Theodor
Paris
Empfang: [24. 6. 1895 – 28. 6. 1895?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur ISR, Jerusalem, Central Zionist Archives, H1:2540-7
Typ Brief
Beschreibung Fotokopie, 1 Blatt, 1 Seite, 2.329 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand innerhalb des Konvoluts paginiert: »87«
Zusatz Das Faksimile der ersten Seite stammt aus dem Katalog 576 von J. A. Stargardt, wo es als Lot. Nr. 1007 um 3000 DM angeboten und um 15.000 DM verkauft wurde. Die Auktion fand von 24.25. 5. 1966 in Marburg statt. Der gegenwärtige Verbleib ist nicht geklärt.
Textzeuge 2
Signatur A, Wien, Österreichische Gesellschaft für Literatur, Abschrift Herzl
Typ Brief
Beschreibung Maschinenschriftliche Abschrift, 1 Blatt, 1 Seite, 2.329 Zeichen
Herstellung maschinell
Zufügungen
Zusatz In der Nachlassmappe B 39 hat Heinrich Schnitzler vermerkt: »2 Briefe geschenkt ans Wolf-Museum Eisenstadt 22. VIII. 1937. / 1 Brief entnommen / 1 Brief geschenkt an Paul Marx 15. VIII. 1936. / 1 Brief gegeben an Mutter, 15. VIII. 36.« Das entspricht der Anzahl von fünf Korrespondenzstücken von Herzl, die nicht im Original überliefert sind. Alle finden sich in einer Abschrift, die nach Arthur Schnitzlers Tod im Zeitraum 1932 bis 1936 entstanden sein dürfte. Da Olga Schnitzler in ihrer Darstellung den Brief ausführlich zitiert, könnte es sein, dass sie das Original dieses Briefs besessen hat.
Veröffentlichung 1
Leon Kellner: Theodor Herzls Lehrjahre (1860–1895). Nach den handschriftlichen Quellen. Wien, Berlin: R. Löwit-Verlag 1920, S. 157–159.
Veröffentlichung 2
Die Geburt des Judenstaates. In: Jüdische Nachrichten für die österreichischen Alpenländer, Nr. 20, 3. 7. 1920, S. 4–5.
Veröffentlichung 3
Olga Schnitzler: Spiegelbild der Freundschaft. Salzburg: Residenz-Verlag 1962, S. 94–95.
Veröffentlichung 4
Herzl-Briefe. Herausgegeben und eingeleitet Manfred Georg. Berlin: Brandusche Verlagsbuchhandlung [1935], S. 53–54.
Veröffentlichung 5
Theodor Herzl: Briefe Anfang Mai 1895 – Anfang Dezember 1898. Bearbeitet von Barbara Schäfer in Zusammenarbeit mit Sofia Gelmann, Chaya Harel, Ines Rubin und Daisy Ticho. Berlin, Frankfurt am Main, Wien: Propyläen 1990, S. 56–57 (Briefe und Tagebücher. Herausgegeben von Alex Bein, Hermann Greive, Moshe Schaerf, Julius H. Schoeps, Johannes Wachten, 4).

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 23. 6. 1895. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03896.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03896«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03896.html |titel=Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 23. 6. 1895 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1895-06-23 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Sonntag, 23. 6. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Schnitzler/Bahr
Wiener Schnitzler
Weiteres

Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 23. 6. 1895

|23. 6. 95

mein lieber Freund,

Dank für Ihren Brief. Die Sache liegt in Prag, eine Entscheidung ist noch nicht da. Das Ganze ist jetzt in den Hintergrund meines Bewusstseins getreten.
Aber Sie hatten damals Recht, als Sie mit Ihrem klugen Blick sahen, dass ich mit dieser einen Eruption mir die Sache nicht vom Herzen und nicht von der Seele geladen habe.
In den Wochen, seit ich Ihnen nicht geschrieben, ist etwas Anderes, Neues, viel Grösseres in mir aufgeschossen, was mir jetzt wie ein Basaltberg vorkommt, vielleicht weil ich noch so erschüttert bin und das Entstandene noch so fürchterlich glüht. |Wochen der ungeheuerlichsten Poduktionsaufregung, in der ich manchmal fürchtete, verrückt zu werden.
Es sind vorläufig nur die Planskizzen – sie sind schon ein ganzes Buch.
Wir werden, wenn wir im Sommer im Salzkammergut Zusammentreffen, darüber reden.
Dieses Werk ist jedenfalls für mich und mein ferneres Leben von der grössten Bedeutung – vielleicht auch für andere Menschen. Denn was mich annehmen lässt, dass ich etwas Wertvolles entworfen habe, ist die Tatsache, dass ich dabei keine Sekunde lang literatenhaft an mich gedacht habe, sondern immer an andere Menschen, welche schwer leiden.
Noch ein paar Tage Arbeit, und die Sache ist so fertig, dass sie nicht mehr verloren gehen kann, auch wenn ich durch Umstände des Lebens an der munitiösen Ausführung verhindert werden sollte.
Dann verlasse ich Paris auf einige Tage, um mich zu erholen. Mein Urlaub ist das noch nicht; den trete ich erst Mitte oder Ende Juli an.
Sie kennen das liebe Gedicht von Heyse »an den Künstler«, das ich oft citiere. Da heisst es
Das ist meine Stimmung.
Ich habe den Stoss bisheriger Notizen im Comptoir d’Escompte deponiert, in der Kasse Nr. 6, Fach Nr. 2. Um zu öffnen muss man jeden der drei Knöpfe siebenmal nach rechts drücken. Jemand muss das wissen, falls ich »hinfahre über Nacht.«
Das sind jetzt Sie.
Komme ich Ihnen aufgeregt vor? Ich bin es nicht. Ich war nie in einer so glücklichen hohen Stimmung. Ich denke nicht ans Sterben, sondern an ein Leben voll männlicher Taten, das alles Niedere, Wüste, Verworrene, das je in mir gewesen sein mag, auslöscht, aufhebt und alle mit mir versöhnt, so wie ich mich durch diese Arbeit mit allen versöhnt habe.
Ich grüsse Sie herzlich
Ihr Freund
Herzl
    Bildrechte © Central Zionist Archives, Jerusalem