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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 25. 1. 1926
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [26. 1. 1926 – 30. 1. 1926?]
Zuckerkandl, Berta
Paris
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, HS.1985.1.2282
Typ Brief
Beschreibung Durchschlag, 2 Blätter, 4 Seiten, 4.641 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift Arthur Schnitzler 1) roter Buntstift, lateinische Kurrentschrift (beschriftet: » Zuckerkandl « und » Paris «, vierundzwanzig Unterstreichungen)
2) Bleistift, lateinische Kurrentschrift (beschriftet S. 3: » Zuckerkandl «, Korrekturen)
Handschrift Bleistift (beschriftet S. 3: »25/>1. 1926«)

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 25. 1. 1926. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03965.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03965«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 25. 1. 1926

Aufenthaltsorte
Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)

Der Gang zum Weiher, Manuskript

Publikation in Vorbereitung

Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Schnitzler – S. Fischer
Schnitzler – S. Fischer
Weiteres

Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 25. 1. 1926

|25. 1. 1926.

Liebe und verehrte Frau Hofrätin.

Vielen Dank für Ihre freundliche Nachricht. Bei meinen Gesprächen mit Gemier hatte ich gleich den Eindruck, dass er das »Weite Land« eigentlich noch nicht kennt. Schade, dass er es nun doch vor der Aufführung an seinem Theater gelesen hat. Es ist ja erfreulich, dass ihm das Stück so gut gefällt – ob er der richtige Darsteller für den Hofreiter ist kann ich nicht beurteilen. Sein Aeusseres spricht ja nicht dafür. Wir werden ja sehen wie sich die Sache weiter entwickelt, eventuell kann ja auch Lenormand einen Einfluss auf die Besetzung nehmen – glauben Sie nicht? Und ich nehme an, dass sich die Sache noch einige Zeit hinausschieben wird.
Ueber die Aufführung des »Tapferen Cassian« werden Sie mir vielleicht doch noch persönlich berichten können, da ja Ihr letzter Brief noch nichts über den Termin Ihrer Rückreise aussagt.
Was den »Reigen« anbelangt, so habe ich schon im vorigen Jahre (anlässlich der einmaligen unberechtigten Aufführung) ganz ausdrücklich meinen Wunsch kundgegeben, dass das Stück vorläufig nicht auf der französischen Bühne erscheine. Erinnere ich mich recht, so habe ich das damals an Robert des Flers sozusagen offiziös geschrieben. Den »Reigen« darf man in Paris erst öffentlich aufführen, wenn ich mit einem oder ein paar anderen |Stücken Erfolg gehabt habe. Bisher hat sich niemand vom Theater Albert Ier bei mir gemeldet und ich protestiere schon heute gegen die Absicht der Direktion den »Reigen« auf die Bühne zu bringen. (»Reigen« ist übrigens bei Stock erschienen in einer recht schlechten Uebersetzung).
Nun zu »Fräulein Else«. Vor allem bin ich absolut dagegen, dass die Novelle in einem Band zusammen mit anderen Novellen von mir erscheint. Es existieren bereits Uebersetzungen in England und Amerika, auch in Ungarn; in Holland, in der Czechoslowakei etc. werden welche vorbereitet. Ueberall erscheint die Novelle als Buch für sich. Und es gibt manche französische Bücher, sogar Romane, die keinen dickeren Band ausmachen, als die »Else« ausmachen würde. Uebrigens wird ja Herr Delamain sich erst ein Urteil bilden können, wenn er die Novelle gelesen hat. Ich sende ihm heute das Buch zu. Die Uebersetzung der Frau Clara Pollaczek sende ich aber erst an Sie, verehrte Freundin. Ich glaube, sie ist vorzüglich und viel höher zu werten als eine sogenannte Rohübersetzung. Ich halte es sogar für möglich, dass die Uebersetzung so wie sie ist, wenn auch vielleicht mit einigen Retouchen, ohneweiters veröffentlicht werden könnte. Nun aber wird selbstverständlich bei jedem Menschen, der erfährt, dass die Uebersetzung von jemandem stammt, dessen Muttersprache nicht das Französische ist, ein Vorurteil zu überwinden sein und ich frage daher an, ob es nicht möglich wäre Herrn Delamain die Uebersetzung der Frau P. vorläufig ohne Namensnennung, als eine ganz ernst und definitiv gemeinte zu übergeben. Wie wäre es, wenn Sie die Uebersetzung zuerst einmal einem vollkommen objektiven Beurteiler, z. E. Geraldy oder |Lenormand lesen liessen, ohne ihnen zu sagen dass eine Oesterreicherin und keine gebürtige Französin diese Uebersetzung verfasst hat. Natürlich dürfte man ihnen auch nicht unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten, wie sich die Sache wirklich verhält. Bitte sagen sie mir, wie sie darüber denken. In jedem Falle ist uns, da nun einmal diese »Rohübersetzung« vorliegt, jede Art von Verhandlung sehr erleichtert und wir können ausser Delamain immerhin auch Grasset und andere Verleger in Betracht ziehen. Glauben sie nicht? Keineswegs wollen wir aber das Verlagsrecht ohne ein anständiges à valoir aus der Hand geben.
Wollen Sie nicht auch gelegentlich Delamain fragen, ob noch Exemplare von »Anatol« und von »La Ronde« vorhanden sind? Es müsste nun wohl auch offiziell zu konstatieren sein, dass für neue Auflagen urheberrechtlich auch das Recht für Frankreich heute wieder in meiner Hand ist und dass unbedingt diese alten Uebersetzungen nicht mehr neu aufgelegt werden dürfen. Von Stock hatte ich für jedes der beiden Bücher – 200 Francs erhalten. Es ist kaum denkbar, dass ein Verlag sich einbilden könnte dadurch auf ewige Zeiten ein Recht erworben zu haben. Natürlich würde nichts dagegen sprechen mit Delamain auch über »Reigen« und »Anatole« von neuem abzuschliessen.
Ich schreibe an Delamain heute nur ganz kurz, dass ich prinzipiell gegen die Vereinigung von »Fräulein Else« mit anderen Novellen in einem Band bin und dass Sie, verehrte Frau Hofrätin, binnen kurzem die französische Uebersetzung ihm übermitteln |werden. Ich bin noch bis ca. 4. Februar in Wien und hoffe am 15. wieder von Berlin aus zurück zu sein.
Mit den herzlichsten Grüssen, Ihre lieben Nachrichten mit Spannung erwartend,
Ihr freundschaftlich ergebener
Frau Hofrätin Bertha Zuckerkandl,
Paris.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar